Lieselotte Bornholdt

Persönliche Erinnerungen an die Königstraße

Am 30. September 1924 wurde Lieselotte Bornholdt (geborene Möller) als fünfte und jüngste Tochter des Sattlermeisters Gustav Möller und seiner Ehefrau Alma in Elmshorn geboren. Seit 1993 ist sie Mitglied der Vereinigung für Familienkunde Elmshorn, die bereits seit 1950 Familienforschung betreibt und Interessierten Hilfestellungen bei der Erforschung der eigenen Familiengeschichte leistet. Auch ihre eigenen Jugenderinnerungen sind immer wieder verknüpft mit der Königstraße. Liselotte Bornholdt gibt Einblicke in „Ihre Königstraße“ der 1940er Jahre:

von Lieselotte Bornholdt

In der zweiten Klasse wurde Lieselotte (damals noch) Möller auf dem Nachhauseweg von einem Fotografen portraitiert, 1930er Jahre. Foto: Privatbesitz

1939

Konfirmation in der St. Nikolai-Kirche

1940

„Anfang des 2. Kriegsjahres meldeten Lieschen und ich uns zum Tanzkursus in der Tanzschule Paulsen in der Panje-Straße an. Jeder versuchte für sich, mit den Einschränkungen und Verboten des Krieges fertig zu werden. Die Tanzschule war eine Möglichkeit, das Tanzverbot zu umgehen. An einem Sonntagabend trafen wir zufällig einige Mädchen und etwas später auch die Jungen des Tanzkurses in der Königstraße. Wir saßen auf dem Geländer der Bücherei Hellmann (Königstraße 47) und hatten viel zu erzählen. Es war aber verboten, sich in der Dunkelheit auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten.

Im Zuge der Verdunkelung brannten keine Straßenlampen und kein Lichtschein durfte auf die Straße fallen. Nach kurzer Zeit schnappte uns eine Polizei-Streife und brachte und auf die Wache. Die Personalien wurden aufgenommen. Wer sich ausweisen konnte, durfte gehen, die anderen mussten sich von den Eltern abholen lassen.

Zur Strafe mussten wir uns alle am nächsten Sonntag um 10.00 Uhr zur Rechtsbelehrung auf der Wache einfinden. Diese polizeilich angeordnete Zusammenkunft wurde der Anfang einer richtigen Freundschaft. Wir wurden eine Clique, die die ganze Kriegszeit über fest zusammen hielt.“

Lieselotte Bornholdt (2. von rechts) lernte die übrigen Abgelichteten während ihres ersten Tanzkurses kennen. Die Freundinnen und Freunde tanzten nicht nur gemeinsam, sondern unternahmen auch Ausflüge, wie hier nach Voßloch. Foto: Privatbesitz

„Drei der Jungen waren Auszubildende der Stadtverwaltung. Den Abtanzball haben wir im Holsteinischen Hof gefeiert, nach dem ‚Frankreichfeldzug‘ wurde das Tanzverbot für kurze Zeit gelockert.

Da sich für die nachfolgende Kurse zu wenig Mädchen meldeten, habe ich auf Einladung von Tanzlehrer Paulsen sen. in zwei weiteren Kursen mitgetanzt. Dadurch kannte ich viele Jungen der Geburtsjahrgänge 1923-24.“

1943

„Beim Luftangriff auf Elmshorn wurden die Tanzschule Paulsen und der Holsteinische Hof zerstört. Meine Tanzpartner waren durch Arbeitsdienst oder Militärdienst über halb Europa verstreut. Wenn einer von ihnen ‚auf Urlaub‘ kam, war die Enttäuschung groß, keinen Bekannten anzutreffen.“

Der Holsteinische Hof (Königstraße/Ecke Holstenstraße) nach den Bombenangriffen 1943… Foto: StA Elmshorn, Fotograf: P. Koopmann
…die Kriegsschäden waren verheerend. Hier der ausgebrannte Saal, 1943. Foto: StA Elmshorn, Fotograf: P. Koopmann

„Vielleicht konnte ein Bummel durch die Königstraße helfen? Vom Bahnhof bis zur Kirche und wieder zurück – möglichst am Feierabend – wie früher.

In diesen Jahren führte mich mein Weg zur Arbeit vom Bauerweg zum Vormstegen täglich mehrfach durch die Königstraße. Meine Eltern waren moralisch entsetzt, wenn mich wieder ein ‚Urlauber‘ ansprach. Es war doch nur ein Klönschnack, vielleicht eine Einladung ins Kino oder Café Schrader.“

1944

„Die Liste der ‚Gefallenen‘ wurde immer länger,…

1945

… leider waren auch mehrere ‚Urlauber‘ dabei.“

1951

„Zu meiner Trauung 1951 trug ich ein langes, weißes Kleid. Als wir durch die Kirchentür gingen, trat ich auf den Saum und stolperte. Hätte mein Mann mich nicht aufgefangen, wäre ich mit einem Hechtsprung in der Kirche gelandet.“

1953

„Unser ältester Sohn wurde in der St.Nikolai-Kirche getauft. Insgesamt gab es an dem Tag vier Täuflinge. Als die Glocken anfingen zu läuten, erschreckte sich mein Sohn dermaßen, dass er tierisch anfing zu schreien. Er schrie von der ersten bis zur letzten Minute der Predigt – der Pastor war nicht mehr zu verstehen! Auch nachdem ich ihn auf den Arm nahm, war er durch nichts zu beruhigen.“

1989

Nikolai-Kirche Elmshorn: Die Geburtsjahrgänge 1923-24 feiern ihre ‚Goldene Konfirmation‘. Foto: Privatbesitz
Bereits seit 1993 engagiert sich Lieselotte Bornholdt in der Vereinigung zur für Familienkunde Elmshorn. Foto: M. Planer, Stadt Elmshorn, 2016

Die Vereinigung für Familienkunde hat Ihren Sitz im Konrad-Struve-Haus der Ortsgeschichte (Bismarckstraße 1). Dort sind die Mitglieder an jedem 1. und 3. Sonntag von 11.00 bis 13.00 Uhr sowie jeden 1. und 3. Mittwoch von 14.00 bis 17.00 Uhr anzutreffen. Während der schleswig-holsteinischen Schulferien bleibt das Konrad-Struve-Haus geschlossen.

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