Straße

Die Geschichte der Königstraße

Der Fluss prägt die Stadtgeschichte

Elmshorn ist stark durch die Lage an der Krückau geprägt – der tidenabhängige Fluss trennte das nördlich der Au liegende Elmshorn von den ehemals selbstständigen Dörfern Vormstegen und Klostersande und prägt noch heute das Stadtbild: Die fast unbebaute Krückauniederung spaltet die Stadt in zwei Teile.

Vor der Eindeichung und Entwässerung der Marsch war das breite Flusstal häufig überschwemmt, daher errichteten die damaligen Einwohner und Einwohnerinnen einen hölzernen Steg, um trockenen Fußes nach Alt-Elmshorn zu gelangen. Der 500 Fuß lange Steg prägte den Ortsnamen „Uberm Stegen“ oder auch „Vorm Steegen“ (heute Streckers Gang).

Die ältesten Siedlungsteile Elmshorns liegen am Geestrand, wo die Häuser geschützter gegen Überschwemmungen waren als in den tiefer gelegenen Gebieten der Elbmarschen. Die Lage des Ortes war für die wirtschaftliche Entwicklung günstig: Der schiffbare Elbe-Nebenfluss Krückau kreuzte hier die von Hamburg nach Norden führende Handels- und Heerstraße. So entwickelte sich neben der Landwirtschaft schon früh Handwerk und Handel.

Das Dorf Elmshorn lag nördlich der Krückau mit dem Ortskern um die im 14. Jahrhundert erbaute St. Nikolai-Kirche nahe dem Übergang über die Krückau.

Elmshorn entstand entlang der Landstraßen als typische Straßensiedlung, über deren Umfang der Ort bis 1850 nicht wesentlich hinauswuchs. Von Norden kam die alte Land- und Heerstraße (Flamweg), die auf die von Westen kommende Marschstraße (Sandberg) stieß und mit dieser zusammen zum Zentrum des Ortes, dem Markt- und Kirchplatz führte (Marktstraße, Alter Markt). Von hier verlief der älteste Teil der Königstraße (Wedenkamp) mit einer nördlichen Abzweigung (heute Holstenstraße) über Bauerweg und Kaltenweide nach Barmstedt. Wer in Richtung Uetersen gelangen wollte, musste vom Marktplatz aus durch das „Große Haus“ über den Damm mit der Krückaubrücke gehen.

Das östliche Ende der Königstraße mündet in den Fahrtunnel unter den Bahngleisen hindurch. Aufnahme um 1900. Foto: StA Elmshorn

Der Wedenkamp

Der alte Verlauf der Königstraße war der Wedenkamp. Diese Bezeichnung stammt von dem Wort „wedeme“ und hat die Bedeutung „Pfarrhof“. So war auch das erste Haus auf dem Wedenkamp das Pastorat (1884 abgerissen, heute steht hier das Gebäude von Ramelow).

Als zweites Haus wurde 1657 das Präbendenstift gebaut (heute Volksbank), welches jedoch im selben Jahr abbrannte. In der Nacht zum 5. August 1657 steckten die Schweden im Krieg gegen Dänemark Elmshorn in Brand. Die meisten Häuser, das Präbendenstift sowie die Nikolai-Kirche wurden Opfer der Flammen, deren blut-roter Schein am Himmel auch die umliegenden Bewohner*innen in Angst und Schrecken versetzte. Nur sehr wenige Gebäude blieben verschont, darunter das Pastorat am Wedenkamp. 1661 konnte die wiedererrichtete Nikolai-Kirche neu eingeweiht werden, allerdings aus Kostengründen ohne Turm.

Das Probstenhaus war das erste auf dem Wedenkamp errichtete Gebäude. Es wurde 1888 für den Neubau der Post abgerissen. Ausschnitt aus einer Lithografie von Duhn um 1850. Sammlung IME

1663 wurde als zweites Haus auf dem Wedenkamp das Präpendenstift an alter Stelle neu errichtet – seinerzeit eine Ortsrandlage, da das Elmshorner Zentrum sich rund um die Nikolai-Kirche befand. Mit dem Anwachsen der Stadt lag das Präbendenstift Ende des 19. Jahrhunderts schließlich in der Innenstadt und wurde für die Errichtung repräsentativer Neubauten abgerissen. Das neue Armenhaus entstand 1890 wiederum am damaligen Ortsrand, in der Friedensallee.

Eine Straße im Aufschwung

Lange Zeit waren die Elmshorner Straßen unbefestigt und je nach Wetterlage morastig oder staubtrocken. Erst 1680 wurden der Wedenkamp, die heutige Holstenstraße, der heutige Bauerweg, die Marktstraße und der Sandberg gepflastert. Diese große Geldausgabe hatte ganz reale Gründe: der Reichsgraf Detlef von Rantzau wollte für die Umgebung Elmshorns einen wirtschaftlichen Mittelpunkt schaffen. Er musste deshalb den Geestbauern einen Anreiz geben, ihre Waren – Getreide, Torf und Holzkohle – über den Hafen an der Krückau ausführten. Der Ausfuhrzoll ging dann wieder als Einnahme an den Grafen.

Da der Wedenkamp nun schon einmal gepflastert war, wünschte der Landesherr, dass sich mehr Menschen an der neuen Straße ansiedelten. 1685 gab von Rantzau bekannt, dass diejenigen, die auf dem Wedenkamp bauen wollten, frei seien von allen Lasten. Es seien erst nach drei Jahren Abgaben an den Reichsgrafen – pro Jahr ein „Rauchhuhn“ – sowie an die Kirche als Besitzer der Grundstücke – pro Jahr 2 Mark und 8 Schilling – zu zahlen. Von weiteren Auflagen und Diensten waren die Neusiedler im Gegensatz zu den Alt-Elmshornern befreit. Dank der günstigen Bedingungen lebten 33 Jahre später (1718) bereits 17 Hausbesitzer auf dem Wedenkamp. Insgesamt wies das Kirchdorf Elmshorn knapp 130 Häuser auf.

Mit dem Übergang der Grafschaft Rantzau in dänische Herrschaft 1726 stieg die Bautätigkeit weiter, so siedelten sich am Wedenkamp acht neue Hausbesitzer mit ihren Familien an.

1736 führte die Erhebung Elmshorns zum Flecken den Wandel vom eher unbedeutenden Kirchort zu einem zentralen Gewerbeort herbei. Ein Flecken war durch zunftberechtigtes Handwerk, Marktgerechtigkeit und durch eine gewisse Ausprägung von Selbstverwaltung eine Zwischenstufe auf der Entwicklung vom Dorf zur Stadt.

Der sogenannte große Brand 1750 war ein leidvoller Rückschlag. Der Brand entstand nahe der Nikolaikirche und zerstörte innerhalb von nur vier Stunden 47 Wohnhäuser und neun Scheunen in Elmshorn.

Dennoch folgte sieben Jahre später, im Anschluss an die wirtschaftliche Vereinigung Elmshorns mit den Dörfern Klostersande und Vormstegen, eine starke Zunahme gewerblicher Aktivitäten. Besonders die Verarbeitung von und der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, vor allem von Getreide sowie von Leder für die Schuhproduktion, florierten. Die Schuhmacher stellten den größten Teil der Handwerker im Ort.  Ihr Absatzgebiet reichte bis nach Amerika.

Die Eisenbahn verändert das Ortsbild

1844 sorgte der Eisenbahnanschluss Altona – Kiel nicht nur für einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch für ein modernes Elmshorn. Im Zuge der Verbesserung der Zufahrtswege zum Bahnhof – der damals noch am Ortsrand lag – wurden neue Straßen angelegt und die wichtigen innerörtlichen Straßen neu gepflastert. Mit der Eröffnung der „König Christian VIII. Ostseebahn“ verlief der Wedenkamp bis zu den Gleisen des ersten Bahnhofs auf dem heutigen Holstenplatz. Der Bahnübergang war in etwa dort, wo heute am Ende der Königstraße der Fußgängertunnel ist.

Dieser Ausschnitt einer Zeichnung der Stadt Elmshorn aus der Vogelperspektive entstand 1895. Der Verlauf der Königstraße von der Kirche bis zum Fahrtunnel, der unter den Bahngleisen durchführte, ist deutlich zu sehen. Sammlung IME

1870 erhielt Elmshorn die Stadtrechte und etablierte sich damit endgültig zum strukturellen Mittelpunkt der umliegenden Dörfer, deren Bewohner*innen auch zum Einkaufen in die Krückaustadt fuhren. Der Wedenkamp wurde nun in Königstraße umbenannt und entwickelte sich zur Haupteinkaufsstraße mit einer Vielzahl von einzelnen Geschäften und Dienstleistern, deren Inhaber*innen oftmals über den Ladengeschäften wohnten.

Ausschnitt aus dem Elmshorner Stadtplan von 1906. Sammlung IME

Nach der Volkszählung 1895 hatte die Königstraße 589 Einwohner*innen und 56 Häuser mit 122 Hausständen, in ganz Elmshorn inklusive der inzwischen eingemeindeten Dörfer Vormstegen und Klostersande existierten rund 1100 Häuser. In Folge der Industrialisierung vollzog sich ein grundlegender Wandel der Wohn- und Lebensverhältnisse. Elmshorn war nun mit schiffbarer Krückau, Eisenbahnanschluss und der Nähe zu Hamburg eine enorm aufstrebende Industriestadt mit einer regen Bautätigkeit: Verlegung der Kanalisation (1893-1901), Pflasterung der Straßen, zentrale Wasserversorgung (1902), Anschluss an Gas und Strom, zahlreiche Fabrik- und Wohnneubauten, aber auch der Bau des neuen Kirchturms (1881/82) und der Neubau des Kaiserlichen Postamtes in der Königstraße (1888).

Blick in die Königstraße Richtung Kirche. Postkarte: um 1895, Sammlung IME

In der Königstraße war in jedem Haus ein Ladengeschäft untergebracht, insgesamt dehnten sich die Geschäfte zunehmend auch in die Marktstraße und in die Holstenstraße aus.

Bauarbeiten in der Königstraße, rechts das Gebäude von Homann & Heyck (heute Bäckerei Junge). Aufnahme um 1920. Foto: StA Elmshorn

Der Zweite Weltkrieg hinterließ besonders durch den Angriff in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1943 vor allem im Bereich des Bahnhofsviertels schwere Schäden. Auch in der Königstraße wurden zum Beispiel die Cafés Schrader und Koch stark beschädigt.

Ein Verkehrspolizist stand oft an der Kreuzung Königstraße/Holstenstraße. Aufnahme 1963. Foto: E.-G. Scholz, Privatbesitz

1965 war die Neubebauung vor dem Bahnhof so gut wie abgeschlossen und auch die Häuser in der Königstraße waren wieder aufgebaut. Elmshorn blickte voller Stolz auf den neuen Holstenplatz: Weite, allein den Fußgänger*innen behaltene Flächen, Geschäftszeilen um diese Fußgängerflächen gruppiert sowie Wohnräume in den darüber anschließenden Stockwerken. Sogar ein erstes großes Kaufhaus, die Kepa (ein Ableger des Karstadt-Konzerns), hielt Einzug mit Eingängen zur Schulstraße, zur Königstraße und zum Bahnhof hin.

Fußgängerzone

Im Gegensatz zum fußgängerfreundlichen Holstenplatz wurden in der Königstraße Lärm, Gestank und Unfallgefahren durch den zunehmenden Autoverkehr ein immer größeres Problem. Abhilfe schuf im November 1972 die moderne Umgestaltung als Fußgängerzone.

Viele Elmshorner*innen finden die Königstraße seit Jahren langweilig und vermissen den Branchenmix. Die Kaufleute selbst haben mit hohen Mieten und der Konkurrenz aus dem Internet zu kämpfen. Die Auswirkungen sind sichtbar: Beim Gang durch die Königstraße fallen immer mehr leerstehende Ladenflächen auf. Manche Geschäfte werden mittlerweile zwischengenutzt. Die Stadt Elmshorn und das Stadtmarketing sehen dringenden Handlungsbedarf. Ein guter Mix der Branchen, Einkaufen als Event und Gastronomie könnten zu einer lebendigen Königstraße führen.

Gefahrloses Einkaufen in der Fußgängerzone Königstraße. Foto: StA Elmshorn

150 Jahre nach der Stadtwerdung – im Jahre 2020 – wird ein neuer Schritt der Modernisierung der Straße begangen: die Stadtwerke binden alle Häuser an das schnelle Glasfasernetz an.

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