58

Königstraße 58

Wohn- und Geschäftshaus Königstraße 58

Bauzeit: 1752

Bauherr: Claus Panje der Ältere

Über das wahrscheinlich von Claus Panje dem Älteren gebaute Haus gab ein darin befindlicher Balken die Bauzeit 1752 an. Das zweigeschossige Giebelhaus besaß massive Backsteinmauern, Ziegeldach und einen Fachwerkgiebel.

1759 ist Claus Panje als Hausbesitzer bezeugt, er verkaufte das Haus 1787 an seinen Schwiegersohn Claus Hinrich Mau, der mit Panjes Tochter Margaretha verheiratet war. Das Haus diente als Wohn- und Geschäftshaus für eine Materialwarenhandlung. Die Erben von Mau verkauften das Gebäude 1810 an den 15jährigen Miterben Claus Panje aus Elskop bei Krempe, der in Altona eine höhere Schule besucht hatte. Claus Panje setzte sich später maßgeblich für den Bau der Eisenbahnstrecke über Elmshorn ein.

Panje weitete das bereits bestehende Geschäft zu einer Drogen- und Samenhandlung aus und richtete sich in dem Gebäude ein Labor ein, da er ein großes Interesse für die Naturwissenschaften besaß. Hier stellte er unter anderem Sprengstoff her. Laut dem Elmshorn-Chronisten Konrad Struve legte Panje in dem Haus die erste Zentralheizung in Elmshorn an, der Dampfkessel befand sich in der Küche und der Dampf wurde durch ein Rohrsystem zu den einzelnen Heizkörpern aus Kupfer geleitet. 1867 waren im Haus ein Laden, vier Stuben, vier Warenkammern, eine Küche sowie Keller und Bodenraum vorhanden.

Panje gelangte durch die Heirat mit der Tochter des Hofbesitzers Catherine Mehlen aus Herzhorn zu einer hohen Mitgift und kaufte Grundbesitz am Mühlenkamp, in der späteren Norderstraße und in Wisch. Zur Förderung seiner Samenhandlung gab er jährlich einen Kalender heraus, der Ratschläge für Landwirtschaft und Gartenbestellung gab. Panje soll von seinen Reisen in Holland und Belgien nicht nur seine Begeisterung für die Eisenbahn mitgebracht haben, sondern auch Rhabarbersaat – eine Pflanze die hier noch unbekannt war. 1830 legte Panje eine parkähnliche Gartenanlage mit Gartenhaus, Treibhaus, Gärtnerwohnung und einer Halle mit exotischen Vögeln auf der ehemaligen Predigerkoppel an (nördlich der Schulstraße auf der heutigen Kirchenstraße bis über die heutige Gärtnerstraße hinaus). In dieser Anlage befanden sich auch Obstbäume, Beerensträucher und ein Teich zur Aufzucht von Blutegeln – Panje wusste seine Geschäftsinteressen mit diesem Projekt geschickt zu verknüpfen. Trotz seiner Erblindung im Jahre 1840 förderte Panje den Bau der Eisenbahn und führte sein Geschäft bis zu seinem Tode 1875 fort.

In den 1960er Jahren wurde die Fassade neu verblendet und erheblich verändert, unter anderem verschwand die Eingangstreppe.

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