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Königstraße 56

Stadtbücherei Königstraße 56

Bauzeit: um 1780
Bauherr: Michel Junge, Brauer
Besonderes Kulturdenkmal

Der Brauer Michel Junge und seine zweite Ehefrau Anne Margarete, geborene Früchtenicht ließen das zweigeschossige, giebelständige Backsteingebäude um 1780 erbauen.

Die sieben Achsen breite Fassade ist durch große Segmentbogenblenden mit Fenstern, zwei geschoßteilende Bänder sowie durch quaderrustizierte Lisenen an den Seiten gegliedert. Die erneuerte Treppe und die 1960 in alter Form neu geschnitzte Flügeltür im Rokokostil sind symmetrisch angeordnet. Im Türoberlicht befinden sich die Initialen des Ehepaares Junge (MJ und AMJ). Im Erdgeschoss wurden die Blendfelder unter den Fenstern geöffnet.

Bereits der Vorgängerbau besaß eine Brau- und Kruggerechtigkeit, seit dem 17. Jahrhundert betrieb hier die Brauerfamilie Früchtenicht ihr Gewerbe. Durch die Heirat der Witwe Anne Margarete erhielt Michel Junge das Haus und die Konzession für eine Bierbrennerei mit Ausschank.

1867 wird als Hausbesitzer der Brenner, Brauer und Landmann Hinrich Friedrich Junge genannt. Hinter dem Backsteinhaus befanden sich zwei Scheunen, ein Schuppen und ein Brenn- und Brauhaus. An Viehbestand war Platz für 37 Ochsen, 3 Pferde, 10 Kühe und Schweine.

Das erhaltene große Backsteingebäude ist voll unterkellert und besaß zwei Stuben, vier Kammern und eine Küche als Wohnung. Weiterhin wurden 1867 ein Saal, zwei Kammern und ein Bodenraum zur Kornlagerung benutzt. 1860 wohnte der Hausbesitzer Junge zusammen mit zwei Familienangehörigen. Wie damals üblich, gehörten auch die Arbeiter und Arbeiterinnen der Brennerei und Brauerei mit zur „Familie“. Dadurch zählten zum Hausstand zudem zwei Dienstmädchen und sechs Dienstknechte.

1885 kaufte Johannes Möhring die Brauerei. 1917 wurde der Betrieb der Brauerei eingestellt, da alle kupfernen Einrichtungsgegenstände an die Regierung abgegeben werden mussten. Später betrieb die Familie Möhring hier eine Weinhandlung.

Nachdem die Stadt das Gebäude 1972 erworben hatte, wurde es 1975/76 unter der Leitung des Architekten Walter Schweim renoviert und für die Belange der Stadtbücherei umgebaut. Innen ist vor allem die Stube mit blau bemalten Kacheln sehenswert, die heute als Zeitungslesezimmer genutzt wird. Der Erweiterungsbau erfolgte 1985.

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