50

Kaisers Kaffeegeschäft und Radio Wichmann

„Kaisers Kaffeegeschäft“ in der Königstraße 50. Das benachbarte Geschäft von Radio Wichmann zog mit Fernsehvorführungen im Schaufenster – hier die Übertragung der Olympiade in Helsinki 1952 – immer wieder große Menschentrauben an. Foto: Per Koopmann, StA Elmshorn

„Kaisers Kaffeegeschäft“ – im Elmshorner Adressbuch von 1900 zunächst noch verzeichnet unter Hausnummer 43 – ist ein frühes Beispiel für das damalig neuartige Konzept des Filialsystems mit verkürzten Vertriebswegen und einer modernen Verkaufsphilosophie.

Die Familie Kaiser betrieb im nordrhein-westfälischen Viersen eine Kaffeerösterei mit kombiniertem Kolonialwarengeschäft. Als Sohn Josef 1880 in das Geschäft eintrat, baute er das Familienunternehmen zu der „Kaiser’s Kaffee Geschäft GmbH“ aus. Bereits zwei Jahre später wurden erste Filialen eröffnet. Mit zunehmendem Erfolg gründete Kaiser aufwändig ausgestattete Zweigstellen in vielen deutschen Städten in bester Innenstadtlage. Im Jahre 1905 gab es bereits 900 Filialen und eine davon war das Geschäft in der Krückaustadt, inzwischen umgezogen in die Königstraße 50.

„Die lachende Kanne“ zeigte den Elmshorner*innen den Weg zum Eingang von „Kaisers Kaffeegeschäft“, 1964. Foto: E.-G. Scholz, Privatbesitz

Zu diesem Zeitpunkt wurde das Firmenlogo – eine Kaffeekanne mit Gesicht im schwarzen Kreis – eingeführt. Das Logo zierte auch die weißen Arbeitskittel der Angestellten. Kaiser legte großen Wert auf das äußere Erscheinungsbild der Verkäuferinnen und ließ auch Bedienung, Kundenbetreuung und Räumlichkeiten durch Revisoren kontrollieren.

Mit anhaltendem Firmenwachstum nahm Kaiser immer mehr Verkaufswaren in die Eigenproduktion auf: mehreren Kaffeeröstereien folgten Backwaren- und Keksfabriken und eine Malzkaffeefabrik.

Im Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude in der Königstraße 50 von Zerstörung verschont, dennoch sind die Spuren des Krieges deutlich. Aufnahme 1948, StA Elmshorn

Bediene dich selbst – das neue Geschäftsmodell

1949 gab es in Deutschland den ersten Selbstbedienungsladen nach amerikanischem Vorbild bei der Konsumgenossenschaft „Produktion“, sechs Jahre später wurde auch die Elmshorner Pro in der Schulstraße 50 auf den Einkauf mit „Drahtkorb mit und ohne Wagen“ umgestellt und auch Kaisers Kaffeegeschäft in der Königstraße führte kurz darauf die „rationelle Zweckmäßigkeit“ ein.

1964 endete die Geschichte von Kaisers Kaffeegeschäft in Elmshorn. Die Räumlichkeiten übernahm das benachbarte Geschäft „Radio Wichmann“.

Infos zu der Geschichte von Radio Wichmann auf Seite 2

Scroll to Top