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„Möbel-Günther“

1932 gründete Ferdinand Günther an der Ecke Norderstraße/Gärtnerstraße eine eigene Tischlerei.179 Bereits ein Jahr später schloss sich sein Sohn Rudolf Günther, welcher ursprünglich Pastor werden wollte, dann aber eine vierjährige Tischlerlehre absolvierte, ebenfalls dem Betrieb an. Kurz nachdem er der Firma seines Vaters beitrat, verkaufte er drei Stühle, welche er damals noch mit dem Fahrrad zu den Kunden auslieferte. Schnell bemerkte Rudolf, dass sich der Verkauf von Möbeln finanziell mehr lohnte als die Produktion.

Im Alter von 23 Jahren erwarb Rudolf Günther im Jahr 1934 das Haus in der Königstraße 42 / Ecke Peterstraße (heute „Tchibo“) und schuf damit den Beginn eines florierenden Möbelhandels. Bis zur Währungsreform 1948 wuchs der Betrieb auf 30 Tischler, fünf Maler und sechs Verkäufer an. Die Tischlerei wurde später aufgegeben.

Kurz nach der Währungsreform kaufte er Grundstück und Haus in der Königstraße 28. Das ursprünglich dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden.

Wie in der Nachkriegszeit üblich, nutzte Günther zunächst einen zweckdienlichen, ebenerdigen Bau für die Präsentation und den Verkauf seiner Waren.

Im Juli 1948 erwarb Rudolph Günther das ausgebombte Grundstück mit der Ruine in der Königstraße 28. Hier ließ er später ein zeitgemäßes, fünfstöckiges Gebäude errichten, welches vielen Elmshorner*innen durch die großen Fenster und den eleganten Treppenaufgang in Erinnerung blieb. Foto: Per Koopmann, StA Elmshorn

Als dieser nach einiger Zeit zu klein wurde und die nötigen Mittel vorhanden waren, entstand hier das markante, fensterreiche Gebäude im Stil der 1950er Jahre.

1964 trat der zweite Sohn von Rudolf Günther und dessen Ehefrau Marie, geborene Bunk, Jürgen Günther, in die Firma ein und half mit neuen Ideen und „jugendlichem Elan“180, das Unternehmen weiter auszubauen.

Ein Pferdewagen hält vor dem traufenständigen Haus in der Königstraße 28. Im Jahr 1893 beherbergte dieses den Schuhmacher Wilhelm Nothhorn und die Nähmaschinenhandlung Bernhard Winter. Postkarte: Sammlung IME

Schon bald wurde ein größerer Standort für den Betrieb notwendig und diesen fand Günther in der an Elmshorn grenzenden Großgemeinde Horst. Somit verließ der Betrieb nach 40 erfolgreichen Geschäfts­jahren die Krückaustadt. In nur sechs Monaten wurde in Horst ein neues, 10.000m² großes Möbel-Zentrum errichtet.

Einstöckiger Behelfsbau des Möbelhauses Günther. Das historische Gebäude in der Königstraße 28 wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Die Aufnahme entstand anlässlich der Neueröffnung. Foto: Per Koopmann, StA Elmshorn
Blick in die Königstraße Ende der 1950er Jahre. Das moderne Geschäftshaus „Möbel-Günther“ besaß eine großzügige Schaufensterfront auf allen vier Geschäftsetagen. Foto: Per Koopmann, StA Elmshorn
Den drei Meter hohen „Sessel für Riesen“ – stellte „Möbel-Günther“ im April 1970 vor dem Geschäft in der Königstraße aus. Für die gelungene Werbeaktion wurden rund 18 Meter Stoff verwendet. Der Sessel wog 8,8 Zentner und wurde selbstbewusst als „größtes Sitzmöbel der Welt“ beworben. Foto E.-G. Scholz

Das Möbelhaus verlässt Elmshorn

Zehn Jahre später wurde der Familienbetrieb jedoch durch einen schweren Schicksalsschlag überschattet. Juniorchef Jürgen Günther verstarb im Oktober 1974 bei einem Autounfall auf der B5 bei Steinburg. Rudolf Günther entschloss sich nach dem Tod seines zweiten Sohnes (sein erster Sohn starb bereits 1955 an Leukämie) dazu, die Leitung seines Möbelhauses in Horst in die Regie der Firma „Unger“ zu übergeben. 1975 entstand daraufhin mit mehrheitlicher Kapitalbeteiligung der Firmengruppe „Unger“ die ,,Möbel-Günther-Handels KG“ in Horst. Bis 1980 wurden mehrere zusätzliche Filialen eröffnet – In Lübeck, Kiel, Maschen und Hamburg-Wandsbek.

„Kloppenburg“ und „Rossmann“

Später wurde das Erdgeschoss der Königstraße 28 mit dem der Hausnummer 30 (ehemals „Leder Bruhns“) verbunden. Rudolph Günther, der nach wie vor Besitzer des Gebäudes war, ließ an der Frontseite zusätzlich einen Treppenaufgang anbringen, um die oberen Stockwerke für eine gewerbliche Nutzung zu erschließen. Die große Ladenfläche zu ebener Erde wurde zunächst durch die Drogeriekette „Kloppenburg“ genutzt. Das Unternehmen mit Sitz in Kiel betrieb inklusive der Filiale in Elmshorn zu der Zeit 34 Filialen in Schleswig-Holstein. „Kloppenburg“ bot in Elmshorn auf rund 500 Quadratmetern Verkaufsfläche eine Produktpalette von Haushalts- und Reinigungsartikeln, Kosmetika, Parfümerie, Schreib- und Lederwaren, Tiernahrung, Spiel- und Süßwaren. Das Sortiment umfasste rund 10.000 Artikel. Schließlich übernahm der aktuelle Mieter, Konkurrent „Rossmann“, das Unternehmen und damit auch die Filiale in der Königstraße.

Die Ladenfläche im Erdgeschoss von Hausnummer 28 (rechts, früher „Möbel-Günther“) wurde später mit der Fläche Hausnummer 30 (links, früher „Leder Massur“) zu einem großen Geschäftsraum verbunden. Foto: Teja Sauer 2020, Sammlung IME

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