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Radio Dörr

Radio Dörr in der Königstraße am Bahnhof, 1957. Im linken Gebäudeteil war der Juwelier Wermbter untergebracht. Rechts in der Tür hält Geschäftsführerin Ursula Dörr einen Plausch. Foto: Privatbesitz

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte der Diplom-Elektroingenieur und ausgebildete Radiotechniker Fritz Dörr in Tornesch zunächst ein Ingenieurbüro betrieben. Dort reparierte und konstruierte er Elektro- und Radiogeräte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursula eröffnete er schließlich 1949 am Tornescher Bahnhof ein Radio-Spezialgeschäft mit Reparaturwerkstatt. Lange träumten die Eheleute davon, im nahegelegenen Elmshorn ein weiteres Radiogeschäft zu gründen. Dieser Wunsch sollte eines Tages, mit dem Anruf eines guten Freundes – Heinz Wermbter – wahr werden.

Heinz Wermbter und Ehefrau Ilse betrieben in den 1946 errichteten Behelfsbauten auf dem Gelände des Bahnhofs Elmshorns in der Königstraße ein Juweliergeschäft. Die Familien Wermbter und Dörr verband eine jahrelange Freundschaft.

1957 wurde neben dem Juweliergeschäft ein Geschäft frei. Die Freude, fortan Seite an Seite zu arbeiten, war groß! Für 10 000 Mark kauften Fritz und Ursula Dörr das Ladengeschäft, in dem vorher Gerhard Zierold erfolglos versucht hatte, Rundfunkgeräte, Ersatzteile und elektronische Kleingeräte zu verkaufen. Familie Dörr war bewusst, dass sie das nach dem Krieg errichtete Behelfsgebäude im Zuge des geplanten Bahnhofsumbaus auf eigene Kosten würden abreißen müssen.

Bahnhofsgelände mit „Seufzerbrücke“, von der Mühlenstraße aus gesehen, 1956. Markiert sind die nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten weißen Behelfsbauten in der Königstraße. Dort eröffnete 1957 die erste Radio Dörr Filiale Elmshorns. Foto: P. Koopmann, StA Elmshorn, Markierung IME

Von der ersten Filiale am Bahnhof bis zur Neueröffnung in der Königstraße

So kam es, dass Fritz und Ursula Dörr 1957 in einem der Behelfsbauten ihre erste Filiale in Elmshorn eröffneten. Während Fritz Dörr das Stammgeschäft in Tornesch betrieb, wurde Ursula Dörr zum neuen Gesicht der Filiale am Bahnhof. Im Sortiment waren Radios, Fernsehgeräte und Phonomöbel und eine große Auswahl an Schallplatten. Denn Ursula Dörr hat eine besondere Leidenschaft für Musik!

Zu Beginn führte Radio Dörr – dem Marktangebot entsprechend – Waren aus deutscher Produktion. So hatten sie Marken wie Telefunken, Grundig und Nordmende im Angebot. Denn diese Firmen hatten Niederlassungen in Hamburg, was ein logistischer Vorteil war. Neben Radio-Reparaturen vermieteten die Dörrs, wie auch ihr Konkurrent, Radio Wichmann, Lautsprecherwagen.

Schaufenster „Radio Dörr“ am Bahnhof, 1958. Für die Gestaltung der Fenster war Ursula Dörr zuständig, später wurde das Design
durch die Einkaufsgenossenschaften festgelegt. Foto: Privatbesitz

Erster VW Bus der Firma Dörr, 1953.
Foto: Privatbesitz

Die ersten Geräte zur Reparatur holte Fritz Dörr mit dem Fahrrad ab, dann mit dem Motorrad.

Ab 1951 diente ein Kübel-Volkswagen als erstes Firmen- und Privatauto, mit dem Ursula Dörr auch ihre Schallplattenkäufe aus Hamburg tätigte. Das nächste Firmenauto war ein Mercedes, Baujahr 1939, auf dem die Lautsprecher besonders gut befestigt werden konnten.

1953 gab es den ersten VW-Bus mit Firmenaufdruck. Diesem Transportmittel sollten über die Jahre viele weitere folgen.

1964: Neueröffnung „Radio Dörr“

Bis heute ist das Gelände, auf dem damals die Behelfsbauten standen, Eigentum der Deutschen Bahn. Für Familie Dörr bedeutete dies, immer wieder in Verhandlungen mit dem Konzern zu treten: Nachdem der erste Laden im Zuge des Bahnhofsneubaus im Jahr 1962 weichen musste, zog Radio Dörr mit dem Geschäft übergangsweise auf die andere Seite der Gleise in die Mühlenstraße um.

Radio Dörr überbrückte dort die Bauzeit für das neue Ladengeschäft. Schließlich eröffnete Radio Dörr am 29.7.1964 in der Königstraße 2 einen unterkellerten Bau, in dem fortan mehr Ausstellungsfläche für Fernseher, Musikmöbel und Schallplatten zur Verfügung stand.

Blick auf das Warenangebot im neuen Laden, kurz nach der Eröffnung, 1964. Foto: Privatbesitz
Radio Dörr. Aufnahme von 1964. Foto: Privatbesitz

Juwelier Wermbter zog in das Nebengebäude (Königstraße 4). Die beiden Ladengeschäfte waren nun durch einen kleinen Durchgang getrennt. Nach dem Auszug von Radio Dörr, war dort zunächst ein Blumenladen untergebracht, heute ein DB-Shop.

Radiogeschäfte in der Königstraße

Als Radio Dörr 1957 nach Elmshorn kam, gab es in der Königstraße bereits zwei Konkurrenzbetriebe: Radio Wichmann und Radio Oberhellmann.

Beide waren bereits seit Mitte der 1920er Jahre in Elmshorn ansässig und hatten sich schließlich im Herzen der Stadt angesiedelt.

Auch ist es wohl kein Zufall, dass Radio Wichmann im Jahr 1958, ein Jahr nach Gründung von Radio Dörr, seine Geschäftsräume erstmalig erweiterte. 1964, als Dörr das neue Gebäude bezog, übernahm Wichmann die benachbarten Geschäftsräume von Kaisers Kaffeegeschäft, um mehr Platz für Ware und Schallplatten zu schaffen. Oberhellmann, der vorher eine Werkstatt im Hinterhof der Königstraße 23 betrieben hatte, betrieb in seiner neuen Filiale „Televisa“ in der Holstenstraße eine Schallplattenbar.

Schaufenster in der Königstraße. Um konkurrenzfähig zu bleiben, trat Fritz Dörr 1969 dem Funkberater-Werbering bei. Dies war der Beginn von mehreren Kooperationen mit Einkaufsgenossenschaften aus dem Radiofachhandel. Auch andere Elmshorner Radiogeschäfte traten Einkaufsgenossenschaften bei. Foto: Privatbesitz

7.7.77 – der Startschuss für ein neues Einkaufserlebnis

Als die Stadt mit dem City Center Elmshorn (CCE) am 7.7.77 sein erstes Einkaufszentrum bekam, war Radio Dörr ganz vorne mit dabei. Sie eröffneten im neugegründeten CCE eine Verkaufsfiliale. Die Geschäftsleitung übernahm der Sohn, Hans-Joachim Dörr.

Besichtigung der Bauarbeiten für die neue Radio Dörr-Filiale im City Center Elmshorn (CCE), Anfang Juli 1977. Foto: Privatbesitz
Feierlichkeiten in der Königstraße zur Eröffnung des City Center Elmshorn am 7.7.1977. Foto: Privatbesitz

Zur Eröffnung ihres neuen Ladengeschäfts hatte die musikbegeisterte Ursula Dörr die Schlagersängerin Dorthe Kollo geladen. Auch viele andere Ladeninhaber trugen mit Aktionen zum Festgeschehen bei. Durch die Königstraße zogen Festparaden – ganz Elmshorn feierte sein neues Einkaufszentrum.

Während Radio Dörr in der Königstraße 1978 auf den Verkauf von Autoradios und Funkgeräten umstellte, nutzten sie die im CCE um ein vielfaches vergrößerte Verkaufsfläche, um laufend neue Hi-Fi-Geräte, Fernseher und Elektronik aus aller Welt zu präsentieren. Ab 1980 konnte man sich dort außerdem Filme aus einer Videothek mit anfangs 100 Titeln ausleihen. Seit 1981 bot Radio Dörr im CCE Reparaturdienste an. Mit der größten Schallplattenabteilung im Kreis Pinneberg wurde Radio Dörr weit über Elmshorn hinaus bekannt.

Ab Ende der 1970er Jahre waren bei Hans-Joachim Dörr auch Computer zu haben: die ersten in Elmshorn!

Schaufenster im CCE: Bereits am 25.4.1972 war Radio Dörr der Kooperation Interfunk beigetreten, was sich auch in der Gestaltung der Fenster widerspiegelte. Foto: Privatbesitz

1988 erweiterte Radio Dörr im CCE seine Verkaufsfläche auf 100 Quadratmeter. Damals beschäftigte die Firma sieben Mitarbeiter*innen. Vier Damen und drei Herren waren in der Beratung und im Verkauf tätig.

Da der Preisverfall im Bereich Unterhaltungselektronik die Umsätze schmälerte, beschloss Familie Dörr auf den wachsenden CD-Markt zu setzen. 1994 richtete Dörr im CCE eine CD-Abteilung ein, die Schallplattenabteilung wurde beibehalten. Auch erweiterte Hans-Joachim Dörr die umsatzstarke Computer-Abteilung. Fortan konzentrierte man sich auf die Geschäftstätigkeit in Elmshorn: Die Tornescher Filiale schloss zum 30. April 1994.

Neugründung in der Friedensallee

Mitte der 1990er Jahre Zeit erhielt Familie Dörr ein lukratives Immobilienangebot auf der Kaltenweide/Ecke Friedensallee. Damals bestimmte in Deutschland der Metro-Konzern den Elektronikmarkt. Das Großhandelsunternehmen war auf der Suche nach Unternehmern, die als Franchisenehmer Vobis-Filialen für den Verkauf von Personalcomputern eröffneten. Während der Markt für Unterhaltungselektronik Mitte der 1990er Jahre nahezu gesättigt war, gab es nur in 20% der deutschen Haushalte Computer.

So nutze Familie Dörr die Gelegenheit, diese Sparte weiter auszubauen. Sie kaufte die Immobilie in der Friedensallee 2 und gründete eine Vobis-Filiale mit einer Verkaufsfläche von 170 Quadratmetern.

Als Metro in einem Rechtsstreit im Jahr 2005 Vobis verlor, ging es für sämtliche Franchisenehmer mit den Verkaufszahlen bergab. Daher beschloss die Familie, die Verkaufsfläche in der Friedensallee aufzugeben. Auch die Filialen in der Königstraße und im CCE wurden schließlich geschlossen. Das Geschäft im CCE wurde zum Stadtcafé, in der Königstraße eröffnete ein Blumenladen.

Hans-Joachim Dörr konzentrierte sich fortan auf den Servicebereich und die Reparatur von Computern. Er, der bei der Firma Nordmende in Bremen eine Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker absolviert hatte, blieb seiner Leidenschaft für Radios und Unterhaltungselektronik treu. Seit vielen Jahren ist er Anlaufstelle für Elmshorner*innen, die ihm ihre – teilweise noch aus den 1950er Jahren stammenden Radiomodelle und sonstigen Geräte – zur Reparatur oder Wartung anvertrauen.

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