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Der „Budnikowsky“ von Elmshorn

Was Budnikowsky in Hamburg ist einige Jahre lang „Seifen-Jonkanski“ in Elmshorn: Sechs Geschäfte betreibt der Elmshorner Günther Jonkanski auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn in den 1970er Jahren im Stadtgebiet. Darunter befindet sich selbstverständlich auch ein Laden in der Königstraße, zunächst in der Hausnummer 16, ab 1970 in der Königstraße 37 (heute Bonita).

Hier und in den anderen Filialen sind insgesamt bis zu 30 Mitarbeiter beschäftigt, verkaufen Drogerieartikel am Steindamm 83, in der Panjestraße 16, am Koppeldamm 29 und am Firmensitz auf Vormstegen 25 an der Ecke zum Osterfeld. Dort befinden sich neben einem Verkaufsraum auch das Büro und das Lager.

Der Beginn des Unternehmens ist für die damalige Zeit ungewöhnlich – und hat tatsächlich auch mit Iwan Budnikowsky (1890-1968) zu tun: Olga Jonkanski stammt eigentlich aus Hamburg, lebt aber mit ihrem Mann Julius in Elmshorn, denn er arbeitet als Maschinist in der Lederfabrik von Knecht. Sie kehrt relativ schnell nach der Hochzeit dem alleinigen Dasein als Hausfrau und Mutter den Rücken und nimmt Kontakt zum Hamburger Seifengroßhändler Iwan Budnikowsky auf, um sich mit einem kleinen Drogerie-Laden auf dem Sandberg in Elmshorn selbstständig zu machen. Das war 1932, ein Jahr bevor Budnikowsky in der Hansestadt seine 25. Filiale eröffnet. Fortan verdient der Groß- und Einzelhändler nicht nur an der Elbe, sondern via Jonkanski auch an der Krückau mit.

Das reich gefüllte Schaufenster von „Seifen-Jonkanski“ in der Königstraße 16, 1966. Foto: E.-G. Scholz

Einer der beiden Söhne von Olga Jonkanski, Günther Jonkanski, lernt in Hamburg Drogist und übernimmt das Geschäft, das seine Mutter bereits auf ihren Ehemann überschrieben hat, im Jahre 1953. Der junge Chef startet im elterlichen Laden in der Königsstraße 16, das der Hausbesitzer aber bald selbst als „Drogerie Ivens“ führen will. Deshalb eröffnet Jonkanski sein neues Geschäft auf Vormstegen. Der Elmshorner Geschäftsmann kehrt aber in die Königstraße zurück, denn er übernimmt später von Gustav Arps in der Königstraße 22 die „Parfümerie Arps“, deren Name er nicht verändert (heute „Tengeler Tabak + Presse“). Die Parfümerie soll sich vom „Seifenhaus“ auch im Namen unterscheiden. Der Schriftzug „Jonkanski“ ist dann wieder wie erwähnt von 1970 an in der Königstraße 37 zu lesen.

Die Kund*innen wurden bei „Seifen-Jonkanski“ in der Königstraße 16 noch an der langen Theke bedient. Foto: E.-G. Scholz

Die Läden von „Seifen-Jonkanski“ sind nicht mit den Filialen heutiger Drogerie-Ketten vergleichbar. Sie sind deutlich kleiner. Aber die Elmshorner*innen kaufen in den Läden von Jonkanski und den anderen Drogisten „um die Ecke“ ihr Wasch- und Reinigungsmittel sowie andere Waren des täglichen Bedarfs. Als dann zuerst Supermärkte mit Vollsortiment wie „Magnet“ im Industriegebiet-Süd oder auch das „Hertie“-Warenhaus in der City, später dann noch die heute bekannten Drogerie-Ketten hinzukommen, wird das wirtschaftliche Überleben für die „Tante-Emma-Drogerien“ immer schwerer.

Heute ist dort eine der zahlreichen Filialen der Telekommunikationsanbieter zu Hause. Foto: Teja Sauer 2020, Sammlung IME

„Seifen-Jonkanski“ gibt nach und nach seine Läden auf, bis nur noch die Drogerie im Einkaufszentrum am Koppeldamm (heute Edeka) bleibt. Auch diese einstige Filiale wird Mitte der 1980er Jahre geschlossen, nachdem sich Jonkanski bereits aus dem Geschäftsleben zurückgezogen hat.

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