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Die Färberei Junge

Die Annahmestelle der Färberei und Reinigung Otto Junge in der Königstraße 7, daneben das Geschäftsgebäude Königstraße 9 mit der Tordurchfahrt in den Fabrikhof. Foto: E. G. Scholz, 1966

1873, kurz nach der Stadtwerdung Elmshorns, erwarb der 29-jährige Otto Junge das Grundstück Königstraße 7. Als Sohn eines alten, im Jahre 1742 erstmals erwähnten Färbereibetriebes in Kellinghusen, begann er mitten in der Elmshorner Innenstadt seine Arbeit als „Schönfärber, Drucker und Wäscher“. Der Begriff „Schönfärber“ stammt aus dem Mittelalter. Während die Schwarzfärber relativ einfach ein tiefes Schwarz in den Stoffen erreichten, zielten die Schönfärber auf schöne rote und weitere farbenfrohe Töne in der Färbung wertvoller Stoffe. Auch weniger wertvolle Stoffe konnten durch bunte Färbung eine bessere Qualität vortäuschen. Hier hat die Redewendung der „Schönfärberei“ ihren Ursprung.

Otto Junge wählte den idealen Standort für eine Färberei: Das Ladengeschäft vorne lag an der zentralen Königstraße in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Auf der Rückseite grenzte das Grundstück mit dem Hofgebäude direkt an die Krückau. Hier konnte die Färberei Wasser zum Spülen der Stoffe entnehmen und das Abwasser wieder in den Fluss einleiten.

Der Färber Otto Junge mit seiner Frau Grete und seinen fünf Kindern Martha, Otto, Willi, Paul und Bendix (von links nach rechts). Bendix ertrank im Alter von zehn Jahren in der an das Grundstück angrenzenden Krückau. Foto: Aufnahme im Atelier von Georg Techel um 1885, Vereinigung für Familienkunde

Ende des 19. und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gab es in Elmshorn, auch in der Innenstadt, eine ganze Reihe von Industrie- und Handwerksbetrieben, deren Abwässer die Krückau belasteten. Dazu gehörten neben den Gerbereien vor allem auch Färbereien und Wäschereien. Färber sind in Elmshorn bereits seit 1691 nachweisbar.

Im Zuge der Industrialisierung und des Anwachsens der Städte hatte Otto Junge den Bedarf seiner Schönfärberei richtig eingeschätzt. Aufträge kamen nicht nur aus Elmshorn, sondern auch aus dem Umland. Er gründete feste Annahmestellen im Kreis Pinneberg, in Ostholstein, an der Westküste und auf der Insel Pellworm. Der Hin- und Rücktransport der Textilien wurde entweder per Post oder mit der Eisenbahn abgewickelt.

Schnell gelangte das Betriebsgebäude an seine Grenzen und Otto Junge erwarb 1892 das Nachbargrundstück Königstraße 9 vom damaligen Kreditverein. Inzwischen hatten die im 19. Jahrhundert entwickelten synthetischen Farbstoffe die Naturfarbstoffe verdrängt und das chemische Reinigungsverfahren auf Benzin-Basis verbreitete sich. Auch Otto Junge eröffnete 1894 auf dem erweiterten Betriebsgelände eine neue Abteilung und warb nun mit „Dampfschönfärberei und chemische Reinigungsanstalt“.

Anzeige aus dem Elmshorner Adressbuch 1911, Sammlung IME

Das Geschäft mit der neuartigen chemischen Reinigung boomte. 1901 eröffnete die Firma Otto Junge Filialen in Hamburg und auf dem hinteren Teil des Grundstücks Nummer 9 wurde ein Fabrikgebäude errichtet. Der Versand per Post und Bahn erwies sich als unzureichend, daher transportierten Elmshorner Fuhrleute die großen Zeugkörbe von und nach Hamburg.

1906 übernahm die zweite Familiengeneration das Geschäft. Paul Junge hatte bei seinem Vater das Färberhandwerk gelernt und leitete gemeinsam mit seinem Bruder Otto jr. den Betrieb. Sie optimierten die Belieferung der Filialen mit einem eigenen Fuhrpark, deren Wagen regelmäßig die Außenstellen aufsuchten. Ein Jahr später ließen die Brüder das ehemalige Gebäude des Kreditvereins abreißen und ersetzten es durch ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Bis zur Geschäftsaufgabe befanden sich hier die Ladenräume der Firma Otto Junge.

Infos zur weiteren Geschichte der Färberei Junge unter Hausnummer 9.

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