63

Früher Textilgeschäft, heute Bäckerei

Neben Textilien für Damen und Herren verkauften die Gebrüder Wernecke auch Wohntextilien wie Teppiche und Gardinen. Foto: Privatbesitz

Auch Homann & Heyck, ein zweigeschossiges Kaufhaus, das von 1912 bis 1967 im Eckhaus zwischen Königstraße und Damm Bekleidung und Wohntextilien anbot, war ein echtes Familienunternehmen. Geprägt war die Firmengeschichte von privaten und geschäftlichen Verbindungen zweier Familien.

Anzeige aus dem Adressbuch der Stadt Elmshorn, 1916


Von den Gebrüdern Meyn (Kolonialwaren) kauften Georg und Adolf Wernecke im Jahr 1892 das bebaute zwischen Königstraße und Damm gelegene Grundstück. 1893 rissen sie das alte Gebäude ab, um einen repräsentativen Neubau für ein Fachgeschäft mit „Confection & Modewaren“ zu errichten.

Neben Textilien für Damen und Herren hatten die Gebrüder Wernecke auch Aussteuerartikel, d.h. Weißwaren wie Handtücher, Betttücher und Tischdecken sowie Kurzwaren im Sortiment. Über dem Türsturz des Eckhauses prangte der Firmenname „Gebrüder Wernecke“.

Homann & Heyck Modewaren

Die Königstraße als Postkartenmotiv, rechts Homann & Heyck, links die Drogerie Karl Laß (Hausnummer 58). Das Foto wurde anlässlich einer Sturmflut aufgenommen, vermutlich in den 1930er Jahren. Foto: Sammlung IME, Fotograf: J.H. Koopmann
Kaufmann Heinrich Homann (1862–1931) mit seiner Ehefrau Helene (1869-1941) sowie den gemeinsamen drei Kindern Käthe, Johann und Maria, um 1905. Foto: Vereinigung für Familienkunde Elmshorn

Als sich die Gebrüder Wernecke im Jahr 1912 zur Ruhe setzten, übernahm Heinrich Homann den Laden zusammen mit Emil Heyck und sie führten das Ladengeschäft unter gemeinsamen Namen. Heyck war ein ehemaliger Angestellter der Gebrüder Wernecke.

Als Emil Heyck 1928 aus „Homann & Heyck Modewaren“ ausstieg, führte Heinrich Homann das Geschäft bis zu seinem Tod 1931 alleine weiter. Sein 1904 geborener Sohn Johann Peter Homann heiratete 1929 die jüngste Wernecke Tochter, Annemarie, die Miteigentümerin des Hauses war.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm Johann Peter „Homann & Heyck“ als alleiniger Geschäftsführer und führte den Laden bis zur Schließung im November 1967.

Homann hatte zwar Nachkommen, diese wollten jedoch allesamt andere Karrierewege verfolgen und das Geschäft nicht übernehmen.

Das Haus blieb in Familienbesitz. Anfang des Jahres 1968 eröffnete in der Königstraße 63 der Mönchengladbacher Textil- und Herrenhosenfabrikant Alfons Müller-Wipperfürth ein Fachgeschäft für Herrenmode.

Am 15. November 1967 startete der Totalausverkauf bei Homann & Heyck. Der Ansturm der Kauflustigen war so groß, dass sogar Polizeibeamte zugegen waren, die an der vielbefahrenen Straße für Sicherheit sorgten. Foto: E.-G. Scholz

Filialketten in der Königstraße

Aufnahme vom Einkaufszentrum am Alten Markt in Richtung Königstraße, rechts die Deichmann-Filiale, 2005. Foto: E.-G. Scholz

Nicht nur im Bereich Textilien und Schuhe, auch in anderen Branchen drängten verstärkt ab den 1970er Jahren Großhandelsunternehmen auf den Markt.

Zu jener Zeit hatten sich in der Königstraße längst Filialen größerer Handelsunternehmen niedergelassen, die mit preisgünstigen Angeboten den inhabergeführten Geschäften in den Innenstädten Konkurrenz machten.

Beispielhaft für diese Entwicklung ist die Errichtung einer Filiale des Schuhgroßhandelsunternehmens Deichmann in der Königstraße 63 am 22.3.1978. Im Sommer 2013 zog Deichmann schließlich in eine neue Filiale am Alten Markt 6 um.

Die umfassende Renovierung des Eckhauses Königstraße 63, die den Charakter des historischen Baus hervorragend zur Geltung bringt, beauftragte der Hauseigentümer Prof. Dr. Klaus Pannen. Als Nachfolgerin Deichmanns bezog die Traditionsbäckerei Junge die Ladenfläche des Hauses. Werbewirksam wurden die Umbaumaßnahmen zum Geschäft mit Café von der Marketing-Kampagne „Es wird ein Junge!“ begleitet.

Die Konditorei Junge GmbH, die 1897 von Lübeck aus mit einer Dampfbäckerei begann, hat mittlerweile über 200 Filialen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. In Abgrenzung von den insbesondere in den 2010er Jahren aufkommenden Bäckerei-Ketten für Billig-Brotwaren setzt Junge seit vielen Jahren auf Nachhaltigkeit und Regionalität. So eröffnete Junge 2016 die ersten Brotretter-Läden und verkauft nachfüllbare Coffee-To-Go Becher in anspruchsvollem Design.

Scroll to Top