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Familie Thormählen aus der Königstraße

Das Porzellangeschäft Claus Thormählens in der Königstraße 47, Foto: Privatbesitz

Das Industriemuseum Elmshorn rief vom November 2018 bis zum Sommer 2020 dazu auf, Geschichten aus der Königstraße mit ihm zu teilen. Auf diesen Aufruf meldete sich Dr. jur. Claus Arved Bolle, der einige Jahre seiner Kindheit in der heutigen Haupteinkaufstraße verbrachte.

von Claus Arved Bolle

„Ich wurde 1933 in dem Hause Königstraße 47 geboren und habe dort von 1940 bis 1945 gelebt. Das Haus gehörte damals meiner Großmutter Frau Anna Thormählen.

Das Haus wurde Ende der 1890er Jahre von meinem Großvater Claus Thormählen (1864-1924) gebaut, der dort zusammen mit seiner Ehefrau Anna geb. Harms (1874-1968) in Porzellan und Haushaltswarengeschäft betrieb. Aus der Zeit vor 1914 sind von der Frontseite des Hauses zwei beigefügte Fotografien erhalten, wonach er „ Steingut, Porzellan, Glas, Tafel- und Küchengeräte“ anbot. Das Geschäft entwickelte sich sehr gut. Er hatte das Glück, dass er in seiner Ehefrau eine starke Partnerin hatte. Seine Frau war nicht nur eine gute Geschäftsfrau, sondern hatte auch sehr viel Geschmack und war so in der Lage anspruchsvolle, zahlungskräftige Kundschaft an das Geschäft zu binden. Beide verstanden, sich in Elmshorn und deren Umgebung einen Kundenkreis für teure Porzellane, wie Geschirre von Meißen, königlich Kopenhagen, königlich Berlin, Nymphenburg und entsprechend für wertvolle Gläser zu schaffen. Die wertvollen, den Stil ihres Geschäfts prägende Porzellane kauften sie viel bei Besuchen von Messen insbesondere der Leipziger Messe ein. Zur Weihnachtszeit und wichtigen anderen Anlässen nutzten sie auch ihre Wohnräume, um im ersten Stock um ihre Waren zu präsentieren.

Eine Anzeige aus dem Elmshorner Adressbuch von 1896. Adressbuch: Sammlung IME

Elmshorn war in den sogenannten Gründerjahren eine aufstrebende Industriestadt mit einer großen Lederindustrie, einer Werft und vielen Mühlen. Soweit mir bekannt ist, war Elmshorn 1913 bezogen auf den Getreideverkehrs in Deutschland nach Hamburg und Magdeburg an 3. Stelle positioniert. Aber auch in den Höfen der umliegenden Marschen fanden sie einen großen Kundenkreis. wobei hier von Vorteil war, dass mein Großvater aus Moorhusen stammte und dort verwandtschaftlich gut vernetzt war. Außerdem war für ihn von Vorteil, dass sein 15 Jahre älterer Bruder Heinrich Thormählen auf dem Nachbargrundstück Königstrasse 45 ein Geschäft für Manufakturwaren führte und er auch Ratsherr der Stadt war. Meine Großmutter ihrerseits hatte enge eigene Kontakte in der Stadt, denn sie war von ihrem 6. Lebensjahr an als Waisenkind in der Färberei Otto Junge in der Königstraße [79] bei Onkel und Tante groß geworden.

Meine Großeltern hatten drei Söhne und eine Tochter, die in den Jahren 1898 bis 1903 geboren wurden. Ihr ältester Sohn fiel 1917 in Flandern.

Nachdem mein Großvater 1924 verstarb, führte meine Großmutter das Geschäft bis 1928 fort und verkaufte es, da es keines ihrer Kinder übernehmen wollte. Der neue Inhaber, ein Herr Schütt, zog, soweit mir bekannt ist, in die Marktstraße. Die Geschäftsräume in der Königstraße 47 wurden vermietet. Prägender Mieter eines Teiles der Räume war während des Krieges und noch lange nach dem zweiten Weltkrieg die Buchhandlung Hellmann.

Nach dem Tode meiner Großmutter wurden das Anwesen verkauft. Das dritte Bild stammt aus dem Kalender „Königlich durchs Jahr 2020“ und zeigt das Grundstück vor dem Verkauf mit dem Haupthaus und seinem Anbau sowie einem kleinen Hinterhaus und großem Holzschuppen am Streckers Gang zur Krückau hin.

Bei dem Haus am oberen linken Bildrand handelt es sich um das Gebäude mit der Hausnummer 47. Auf dem Grundstück befanden sich, zwischen der Königstraße und dem markanten Torhaus (Bildmitte) ein Anbau, ein Hinterhaus und ein Holzschuppen. Foto: P. Koopmann, StA Elmshorn

Für die Königstraße wünsche ich mir eine Geschäftsstraße mit möglichst vielen kleineren individuellen Geschäften, die auch Waren führen, die nicht in den großen Einkaufzentren außerhalb der Stadtzentren angeboten werden. Ich wünsche mir weiter den Bestand alter Bausubstanz, um eine besondere warme Atmosphäre der Straße zu erhalten. Ich wünsche mir Gaststätten, die zu längerem Verweilen einladen, in denen Gespräche nicht durch den Lärm von Espressomaschinen beherrscht werden. Vor Augen habe ich in Kiel die „ Dänische Straße“ oder den Beginn der „Holtenauer Straße“ von Hausnummer 1 bis 60. Auch das Einkaufsgemisch in Eckernförde bietet sich als Ideengeber an.

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