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Damenmode in der Königstraße

Bevor Konrad Drückhammer in der Königstraße 34 sein Modegeschäft eröffnete, war in dem Gebäude eine Bonbonfabrik ansässig. Foto: StA Elmshorn

In der Königstraße 34 befindet sich heute eine Filiale der Optikerkette Apollo. Da Brillen zwar vorrangig als Sehhilfe dienen, jedoch durchaus auch als modisches Accessoire dienen können, lässt sich eine Brücke schlagen zu den vorangegangenen Ladenbetreiber*innen. Denn über Jahrzehnte konnten Elmshorner*innen an dieser Stelle der Königstraße Kleidung erstehen.

Zwei Schaufenster bieten die Modewaren Konrad Drückhammers feil, 1911. Foto: Privatbesitz
Anzeige aus dem Elmshorner Adressbuch 1911. Sammlung IME
An der Fassade des Hauses 36 weist ein Schild auf den ehemaligen Besitzer des gegenüberliegenden Hauses hin. Foto: Sammlung IME

Die Querstraße, welche die Königstraße mit der Straße am Probstenfeld verbindet, ziert eine Plakette mit dem Namen „Drückhammers Gang“. Das Schild weist auf die Familie hin, die das Haus in der Königstraße 34 viele Jahre besaß und hier ein Geschäft für Herren- und Damenwäsche sowie Miederwaren und Kurzwaren betrieb: Die Drückhammers.

Alwine Drückhammer (1865-1951) mit ihren Kindern Erna (1893-1975), Wilhelm (1897-1918) und Olga (1895-1979). Foto: Privatbesitz
Unmittelbar gegenüber des Geschäfts Drückhammer eröffnete 1928 das Modehaus Gustav Ramelow. Foto: StA Elmshorn

Bereits vor dem Tod Konrad Drückhammers 1949, war seine Tochter Olga (1985-1979), verheiratete Nickel, Teilinhaberin des Familiengeschäfts. Nach dem Ableben des Vaters übernahm Tochter Erna (1893-1975), verheiratete Blauer, die bis dahin als Lehrerin arbeitete, die Geschäftsführung gemeinsam mit ihrer Schwester. 1960 beschlossen sie, das Haus in der Königstraße 34 zu verkaufen.

Bereits die Drückhammers ließen erste Umbaumaßnahmen an der Hausfront vornehmen. Zur Querstraße (Drückhammers Gang) hin sind Schaufenster entstanden. Foto: E.-G. Scholz
Die Königstraße in Blickrichtung Bahnhof, links das Geschäft Drückhammer. Foto: E.-G. Scholz

Bernhard Hanssen  eröffnete bereits im frühen 20. Jahrhundert im Flamweg 3 sein erstes Textilgeschäft. Sein Enkelsohn Peter Lund sollte später das Gebäude der Schwestern Drückhammer in der Königstraße kaufen und hier „Hanssen für die Dame“ eröffnen.

Peter Lund, Einzelhändler mit Leib und Seele, noch immer aktiv engagiert in der Initiative Elmshorn, erinnert sich:

„Die Königstraße war für mich als Einzelhändler eigentlich eine der besten Lagen, was sie wahrscheinlich heute auch noch ist. Aber unser Geschäft hatten wir am Flamweg und wir waren im Laufe der Zeit sehr froh, dass wir in der Königstraße ein Gebäude kaufen und beziehen konnten, wo wir uns so ausbreiten konnten.“

Peter Lund wurde 1935 in der Nähe der Nikolaikirche geboren. 1941 kam er in die Schule, konnte 1945 aufgrund der Kriegsgeschehnisse nicht direkt auf das Bismarck-Gymnasium wechseln. Das lag unter anderem daran, dass das Schulgebäude als Lazarett umfunktioniert worden war. Lund erinnert sich noch an die Tage, an denen es aufgrund eines Fliegeralarms während des Krieges einen frühen Schulschluss gab. Erst im Februar 1946 kam er auf ein Gymnasium. Dort war er zusammen mit 60 Jungen in einer Klasse. Mit 14 ging er nach Flensburg, um eine Lehre zu machen. Den benötigten Anzug bekam er aus einer „Stoffreste-Kiste“ aus dem Geschäft seines Großvaters.

Kurz nach der Lehrzeit erhielt der junge Lund die Nachricht vom Tod seines Großvaters und machte sich unverzüglich auf den Weg nach Elmshorn. Hier wurde er mit 18 Jahren Geschäftsführer im ehemaligen Laden seines Großvaters am Flamweg. Zum damaligen Zeitpunkt beschäftigte Herr Lund einen Mitarbeiter. Bei der Buchhaltung erhielt Peter Lund die Unterstützung seine Mutter.

Rückblickend sehnte sich Peter Lund  nie wirklich danach, mit seinem Geschäft in die Königstraße zu ziehen. Seine Kundschaft kaufte gezielt und war keine Laufkundschaft. Irgendwann allerdings war die Ladenfläche zu klein – und so zog das Geschäft in die Marktstraße um.

Der Name „Hanssen für den Herren“ wurde erst ins Leben gerufen, als Lund ein zweites Geschäft in der Königstraße erwarb und es „Hanssen für die Dame“ nannte. Das zweite Geschäft erwarb er 1967 von den beiden Geschäftsführerinnen Frau Nickel und Frau Blauer. Nachdem eine Menge Geld und Zeit in die Renovierung des Gebäudes gesteckt wurden, passte es auch bildlich in die stetig modernisierte Königstraße. Die Mitarbeiter*innen des Geschäftes „Drückhammer“ wurden alle übernommen. Das kam auch Peter Lund zugute, da das Personal seines Herrengeschäfts nicht auf Damenkleidung spezialisiert war.

Während „Hanssen für den Herren“ in den ersten Jahren über die Mittagszeit geschlossen wurde, blieb „Hanssen für die Dame“ in der Königstraße von morgens bis abends geöffnet.

Die Verkaufsfläche im Erdgeschoss strahlte nach umfangreichen Umbaumaßnahmen in neuem Glanz. Foto: E.-G. Scholz

1989 schloss das Damengeschäft in der Königstraße. Als Nachfolger eröffnete eine belgische Modefirma hier eine Filiale für Damenbekleidung. Bis heute befindet sich das Wohn- und Geschäftshaus im Besitz der Familie Lund. Die Geschäftsräume sind an die Optikerkette „Apollo“ vermietet. Unter dem Namen „Hanssen for men“ finden Elmshorner bis heute in der Marktstraße 10 modische Herrenbekleidung, mit dem neuen Namen wechselte 1996 auch der Inhaber.

Bevor die Königstraße 1973 zur Fußgängerzone wurde, gab es bereits einige Jahre zuvor eine Testphase. Als sich diese bewährte, wurde die Straße zugepflastert und auf eine Höhe mit dem Kantstein gebracht. Lunds Geschmack wurde damit verfehlt. Auch die aktuelle Pflasterung mit den gelben Steinen, entspricht nicht dem Bild, welches seiner Meinung nach einer Stadt mit circa 50.000 Einwohnern*innen gerecht würde. Besonders die Wasserrinne in der Mitte ist ein „Graus“ für den gebürtigen Elmshorner. Foto: Sammlung IME
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