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Ein „grauer Klotz in der Innenstadt“

von Jan Markert

Das Postamt in der Königstraße 29. Foto: P. Koopmann, StA Elmshorn

Die Geschichte des ehemaligen Postgebäudes auf dem Gebiet der Königstraße Nr. 29 geht auf das Jahr 1888 zurück, als dort der Maurermeister Wiese einen Historismus-Prachtbau errichten ließ. Für die Mietsumme von 5.702 Reichsmark stellte Wiese das Gebäude der Kaiserlichen Reichspost zur Verfügung, bevor diese es 1894 schließlich selbst erwarb. Die weitere Geschichte des Elmshorner Postamts ist eng verflochten mit der rasanten Entwicklung des gesamtdeutschen Postwesens. So war bereits 1908 aufgrund der steigenden Arbeitslast ein Erweiterungsbau notwendig geworden – als eines der ersten Postämter des Deutschen Reichs erhielt Elmshorn in diesem Zuge eine offene Schalterhalle. Der Postbetrieb wuchs auch in den Folgejahrzehnten stark an: 1912 wurden 180.000 Paketsendungen in Elmshorn bearbeitet, 1935 waren es bereits 220.000 und 1963 schließlich 590.000.

Die Schalterhalle im alten Postgebäude in der Königstraße 29, 1964. Foto: E.-G. Scholz
1964 wurde das Postamt von der Königstraße in die Berliner Straße verlegt. Foto: E-G. Scholz

Abriss des alten Postgebäudes im März 1967. Foto: E.-G. Scholz

Diese Entwicklung führte dazu, dass das Postamt in der Königstraße 29 Ende der 1950er Jahre nicht mehr ausreichend Arbeitsfläche für die stetig wachsende Zahl der Brief- und Paketbearbeitungen bot. 1958 wurde daher der Entschluss gefasst, ein neues Postgebäude in der Berliner Straße errichten zu lassen. Nach der Grundsteinlegung im September 1962 konnte der Neubau bereits im November 1964 seinen Betrieb aufnehmen. Das Postamt in der Königstraße schloss seine Türen schließlich am 19. November desselben Jahres um Punkt 12.30 Uhr.

Die Schließung des Postbetriebs läutete auch das Ende des Altbaugebäudes ein, dessen Abriss kurz darauf beschlossen wurde. An dessen Stelle sollte ein modernes Fernmeldeamt errichtet werden. Der stetige Ausbau des Elmshorner Telefonnetzes machte eine Umstellung des nach wie vor handvermittelnden Fernmeldebetriebs auf volle Automatisierung notwendig. Doch bevor der Neubau des noch heute dort stehenden Gebäudes im April 1967 beginnen konnte, fegte der ‚blanke Hans‘ in der Nacht vom 23./24. Februar desselben Jahres über Norddeutschland, wobei es zur Überflutung der Krückau kam. Dies führte dazu, dass die direkt am Flussufer gelegenen Kellerräume und Kabelschächte des Grundstücks geflutet wurden – da sich dort bereits der Knotenpunkt der Orts- und Fernkabel in Betrieb befand, kam es zu einer großflächigen Störung des Elmshorner Telefonnetzes. Obwohl die Aufräum- und Wartungsarbeiten mehrere Wochen dauerten, konnte eine Verzögerung der Neubauarbeiten vermieden werden.

Die neu eingerichtete Vermittlungsstelle, 1970. Foto: E.-G. Scholz
Mitarbeiterinnen des Fernmeldeamtes vor der Umstellung auf Selbstwahl, 1969. Foto: E.-G. Scholz

Am 10. September 1969 konnte das vollautomatisierte Fernmeldeamt in der Königstraße schließlich seinen Betrieb aufnehmen. Das letzte handvermittelte Telefongespräch in Elmshorn war am selben Tag um 11.32 Uhr geführt worden. Die Gesamtkosten von Neubau und einhergehender Umstellung auf den automatisierten Telefondienst betrugen fast 13 Millionen DM. Heute ist die Deutsche Telekom Eigentümer des Gebäudes, das nach wie vor zur örtlichen Netzversorgung dient. Pläne, den „grauen Klotz in der Innenstadt“ auch anderweitig zu nutzen, gibt es jedoch bereits seit 2013 immer wieder.[1]

Ein Motiv, vier Jahrzehnte: Die Königstaße 29 als Postkartenmotiv um 1910. Postkarte: Sammlung IME

Ende der 1950er Jahre. Foto: P. Koopmann, StA Elmshorn
1969. Foto: E.-G. Scholz, Privatbesitz

und 2020. Foto: Teja Sauer, Sammlung IME

[1] Elmshorner Nachrichten, 5. August 2013.

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