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Filmträume im „Apollo-Theater“

1912/13 eröffnete das „Apollo-Theater“ im Herzen Elmshorns. Unter den Kinos in Elmshorn war das „Apollo“ das beliebteste in der Zeit vor der TV-Ära.

Mehr als 90 Jahre lang konnte das geneigte Publikum in die verschiedensten Film-Welten abtauchen und mit den Leinwandheld*innen unzähliger Dramen und Komödien mitfiebern.

In der Königstraße 25 waren vor dem Bau des „Apollo-Theaters“ verschiedene Gastwirte ansässig. Auch später befand sich auf demselben Grundstück neben dem Kino noch eine Schankwirtschaft. Kinovorstellungen fanden bereits vor 1912 in der Gaststätte der Witwe Henriette Möller in der Königstraße 23 statt, der Betrieb auf dem Nachbargrundstück sollte aber nach Fertigstellung des Neubaus eingestellt werden.

1912 wurden die Baupläne des Kinematographenbesitzers Jens Jensen, ein Lichtspielhaus auf dem Grundstück des Gastwirtes Johann Lensch zu errichten, genehmigt und schon im Dezember desselben Jahres waren die zahlreichen Bauabnahmen erfolgt. Nach einigen kleineren Nachbesserungen v.a. den Brandschutz betreffend konnte die interessierte Öffentlichkeit Anfang 1913 bereits die ersten Filme über die Leinwand flimmern sehen.

Der Gasthof „Zur Post“ um 1900 als Postkartenmotiv, damals „Restauration und Bier-Lokal von H. Paulsen“. Etwa ein Jahrzehnt später wurde rechts davon Elmshorns erstes Kino gebaut: das „Apollo Lichtspieltheater“. Postkarte: Sammlung IME

Neben dem „Apollo“ gab es zwei weitere Kinos in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Das „Smoky Kammerlichtspiele“ stand in der Mühlenstraße 3 und auf der anderen Seite des Bahnhofs vor dem Tunnel in der Königstraße 1 das „Savoy“. Im „Stadttheater“ in der Peterstraße (jetzt „Baalmanns Casablanca“) wurden auch seit 1917 Filme vorgeführt, später zog dieses Kino nach Klostersande in die Räumlichkeiten des jetzigen Elmshorner Stadttheaters um, und hieß dort „Astoria“. In allen Kinos wurde die „Wochenschau“ im Vorprogramm gezeigt, die den Menschen das Zeitgeschehen in Bild und Ton nahebrachte. Ab 1956 sendete das Fernsehen die „Tagesschau“ mit aktuellen Nachrichten direkt in die Wohnzimmer.

Am 18. November 1936 wurde Elmshorn mittags von einer Sturmflut überrascht. Im „Apollo“ stand „Der Bettelstudent“ auf dem Programm. Foto: Per Koopmann, StA Elmshorn

Das „Apollo-Theater“ war ebenso wie die anderen Lichtspielhäuser im Stil der „Kinopaläste“ mit großem Saal ausgestattet. Auf insgesamt 323 Sitzen konnten die Filmliebhaber*innen Platz nehmen. Die Anzahl der Plätze wurde später auf 380 erhöht. Die elektrischen Anlagen wurden regelmäßig vom „Norddeutschen Verein zur Ueberwachung von Dampfkesseln“, dem Vorgänger des „TÜV“, aus Altona geprüft. 1930 konnte der Betreiber eine Ausnahmegenehmigung erwirken: das Rauchverbot wurde aufgehoben.

Blick in den Kinosaal des „Apollo-Lichtspieltheaters“, 1951/52 mit 323 Sitzplätzen in Blickrichtung Leinwand. Foto: Per Koopmann, StA Elmshorn
Wie in anderen Kinos in der Bundesrepublik gab es im „Apollo“ regelmäßig Marketingaktionen zu aktuellen Filmstreifen. Ein Kassenschlager war der Disney-Film „Ein toller Käfer“, in dem VW-Käfer „Herbie“ die Titelfigur ist. Das hier auf dem Dachgepäckträger beworbene US-amerikanische Original „Love bug“ kam in Amerika bereits 1968 in die Kinos. Am 4. September 1969 wurde „Herbie“ zunächst in Großstadtkinos uraufgeführt. Im März 1970 war „Herbie“ dann über mehrere Wochen auch im „Apollo“ zu sehen. Foto: E.-G. Scholz
FSK-Kinowerbung im Eigeninteresse, Anfang der 1950er Jahre. Da die Besatzungsmächte bei der Zulassung der Filme keine Jugendschutzmaßnahmen ergriffen, gründete sich die Kommission „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“ (FSK). So manche*r Jugendliche schlich sich trotzdem in Filme ein, die eigentlich nur für Erwachsene zugelassen waren. Foto: Sammlung IME

Auch als es ab den 1950er Jahren allmählich mehr und mehr Fernsehgeräte in den Wohnzimmern gab, blieb der Kinobesuch eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

1982 brannte das Gebäude Königstraße 25 aufgrund von Brandstiftung vollständig aus und musste neu aufgebaut werden. Es entstand ein modernes „Schachtelkino“ mit drei Sälen in der Größenordnung zwischen 116 und 190 Plätzen. Das „Apollo“ war nun auch ein „Verzehrkino“.

Seit Anfang der 1980er Jahre gehörte Gerd Schröder aus Uetersen das Haus. Für die Filmvorführungen war Freymuth Schultz, der auch die Kinos auf den Nordseeinseln mit Filmen versorgte, verantwortlich. Seit Eröffnung des „Cineplex“ in Elmshorn-Süd 1999, auch von Schultz betrieben, waren die Besuchszahlen im kleineren Innenstadt-Kino deutlich rückläufig.

Im März 2001 gründete sich eine Gruppe kinobegeisterter Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, die neben dem üblichen Kinoprogramm einmal im Monat anspruchsvolle Filme für das kulturinteressierte Publikum zeigen wollten. Finanziell unterstützt von der Sparkasse Elmshorn, erstellte die Gruppe „Kommunales Kino Elmshorn“ ein buntes Programm für Cineast*innen, Kinder oder auch Senior*innen. Diese „Rollenwechsel“-Filme waren mit 10 DM, ab 2002 dann 5,- € für eine Kinokarte deutlich günstiger als die Blockbuster im Kino-Riesen am Grauen Esel. Auch die Presse berichtete häufig über die jeweils geplanten Filmvorführungen. Dennoch blieb die Resonanz des Publikums bescheiden und so musste die Gruppe nach zwei Jahren die Segel streichen.

In den Jahren danach gab es noch weitere Rettungsversuche für den Kino-Saurier in der Innenstadt. Die Brüder Franz und Georg Hoffmeier pachteten ab 2004 das „Apollo“ und wollten den Elmshorner*innen „neues Kinogefühl mit Event-Cinema für alle Altersgruppen“ bieten: Kinder- und Jugendfilme, Klassiker, ausländische Filme in Originalfassung.

Einen ähnlichen Versuch starteten Bernd Keidel und Kai Bartels mit ihrer Firma „K & B Kinobetriebe“ 2006. Sie hatten im erfolgreichen „Abaton“-Kino in Hamburg Erfahrungen gesammelt und wollten sich mit Film-Kunst-Kino auf dem Markt behaupten – vergeblich. Nur ein Jahr später mussten die Pächter aufgeben. Sie resümierten laut Zeitungsbericht, sie hätten „einen fünfstelligen Betrag in den Sand gesetzt“. Die Technik wurde verkauft und das Inventar kam ins Uetersener „Burg“-Kino, das ebenfalls Gerd Schröder gehört. Das endgültige Ende des Innenstadt-Kinos war damit besiegelt und das Haus stand zunächst leer.

2010 wurde das „Apollo Jugend- und Kulturzentrum“ gegründet, es fanden im ehemaligen Kino jetzt Konzerte und Veranstaltungen für das jugendliche Publikum statt. Leider war auch diese Initiative nur von kurzer Dauer.

Das 1999 eröffnete Multiplex-Kino am Grauen Esel zeigt vor allem die großen Mainstream-Produktionen der Filmindustrie. Seit Ende 2007 ist dieses das letzte verbliebene Kino Elmshorns. Muss es 3D und neueste Sound-Technik sein, um die Elmshorner*innen zu begeistern?

Die Königstraße liegt im Herzen Elmshorns, dicht am Bahnhof und auch per Bus sehr gut zu erreichen, Parkplätze gibt es allerdings nicht direkt vor der Tür beim ehemaligen „Apollo“. Doch gibt es mit dem „Broderick“ und den Gaststätten am Holstenplatz Kneipen und Restaurants in unmittelbarer Nähe, die von den Besuchen der Kinogänger*innen vor oder nach den Vorstellungen gewiss auch profitieren könnten.

Noch steht das „Apollo“ – ob es jemals wieder sinnvoll genutzt wird – eher nicht: in den Planungen für das Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen ist der Abriss beschlossen. „Die Krückau soll wieder als Lebensader der Stadt in den Fokus rücken. Das Apollo-Kino in der Kö wird abgerissen und eine weitere Brücke über die Krückau errichtet. So entsteht eine direkte Verbindung zwischen dem Buttermarkt und der Königstraße“.

Das „Apollo“ im Jahr 2018. Foto: Sammlung IME

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