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Königstraße und Ladenstraße

Die Königstraße 22 im Jahr 2020. Foto: N. Tengeler, Privatarchiv

Ende des 19. Jahrhunderts schien es fast so, als könnte Elmshorn ein Mekka für leidenschaftliche Raucher werden: 1893 hatte Elmshorn zwölf „Cigarren-Fabriken“ – Manufakturen, in denen Zigarren hergestellt wurden – und sechs „Cigarren- und Taback-Handlungen“. Außerdem gehörte gerollter und loser Tabak zum Sortiment von Kolonialwarenläden. In der Königstraße 22 war spätestens seit 1911 ein Tabakgeschäft untergebracht. Und auch heute noch sind an dieser Adresse erlesene Tabakwaren zu haben. 1950 wurde das Haus neu gebaut. Dabei entstand die Ladenstraße mit vielen Geschäften. Wer Lust auf fangfrischen Fisch oder einen Imbiss hatte, wer Blumen, Sportartikel, Schmuck, Literatur, Theaterkarten – oder auch einen Elektroinstallateur – brauchte, war dort an der richtigen Adresse.

Der Duft von Tabak

Tabak Riecken und Zigarrengeschäft Simonsen

1911 betrieb Heinrich Riecken in der Königstraße 22 ein Einzelhandelsgeschäft für  „Taback“, „Cigarren“, „Cigaretten“ und „Shag-Pfeifen“. Auch gab es damals in der Königstraße die Tabakgeschäfte Gärtner (Königstraße 37) und Niemeyer (Königstraße 6-8).In den 1920er Jahren übernahm Familie Theodor Simonsen Rieckens Zigarrengeschäft. Als in der Zwischenkriegszeit Rauschmittel wie Tabak und Alkohol immer beliebter wurden, zählte Elmshorn stolze 41 Tabakgeschäfte! Doch halbierte sich diese Anzahl bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nahezu wieder.

Anzeige Riecken Tabak. Elmshorner Adressbuch von 1911

Neubau des Hauses Königstraße 22

Im Zweiten Weltkrieg, in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1943, wurde das Haus Königstraße 22 ausgebombt, schließlich abgerissen. Bis 1950 klaffte zwischen den Hausnummern 20 und 24 eine Baulücke. In dieser stand – einer Zeitzeugin zufolge  – ein Kiosk, in dem im Sommer Eis und im Winter Wurst verkauft wurde.

1950 errichtete Hermann Allwardt  (1886-1953), Inhaber des Lebensmittelladens Thams & Garfs an selber Stelle einen Neubau. Im Neubau war Platz für mehrere Ladengeschäfte, eines lag mit der Schauseite zur Königstraße hin, sechs waren für die Ladenstraße vorgesehen, die Richtung Probstenfeld führt.

Um die Finanzmittel für sein großes Bauprojekt aufzubringen, suchte Allwardt nach Ladenmietern, die ihre Miete für drei Jahre im Voraus zahlten und diese dann „abwohnten. Mit Erfolg: Einer der ersten Mieter der neuen Geschäftsräume in der Königstraße 22 war Gustav Arps, der dort eine Drogerie einrichtete.

Drogerie Arps

Gustav Arps (1912-unbekannt) absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre bei der Barmstedter Drogerie August Sommerfeldt (Adler-Drogerie). Anschließend legte er an der Fachschule des Drogistenverbandes in Hamburg seine Giftprüfung ab. Seit dem 1. April 1949 war Arps bei Sommerfeldt als Drogist angestellt. Doch wohnte der Familienvater in Elmshorn und wollte sich seinen Traum von der eigenen Drogerie erfüllen: Am 26. Februar 1950 beantragte er erfolgreich die Erlaubnis zur Eröffnung einer Drogerie im Allwardt´schen Neubau in der Königstraße 22. Arps bot dort Produkte an, die auch heute noch zum klassischen Drogeriesortiment zählen: Kosmetik, Seifen, Parfümerien und Kerzen.

Tabakgeschäfte in der Königstraße 22

Anfang der 1960er Jahre verkleinerte Arps sein Geschäft. Nun gab es unter der Adresse Königstraße 22 zwei nebeneinander liegende Ladengeschäfte. Rechts neben Arps eröffnete August Blase ein Tabakgeschäft. Von ihm übernahm schließlich der Tabakwarenhändler Gustav Geber – der unter „Gus. Geber Hamburg“, einem Kunstnamen –  firmierte. Geber kam ursprünglich aus Glückstadt und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg seinen ersten Tabakladen in Hamburg gegründet. Von dort aus expandierte er mit Niederlassungen, nun auch nach Elmshorn.

Am 23. Februar 1967 war Elmshorn wieder einmal von einer großen Sturmflut betroffen. Wie die Male zuvor, packten Geschäftsbetreiber*innen und die Bevölkerung mit an, um den Wassermassen mit Sandsäcken und Schutzwällen beizukommen. In Höhe des Tabakgeschäftes Geber wurde eine provisorische Stöpe errichtet. Zur Stärkung der Helfer, so Rolf Tengeler, lieferte Feinkost Lenz (Hausnummer 37) Esspakete. Foto: StA Elmshorn: P. Koopmann

1986 wurden das Dach und die Fenster des Gebäudes saniert. „Gus. Geber Hamburg“ firmierte nun unter der Tabakmarke „Collofino“. 1997 erfolgte eine erneute Umbenennung in Gust. Geber Intertabaco GmbH.

Von Gus Geber zu „Tengeler Tabak & Presse“

Gebers Nachfolger in der Königstraße war die Familie Tengeler. Rolf Tengeler gehörte seit Geschäftsgründung zum Geber-Team. 1977 übernahm er bei Geber die Geschäftsführung und seine Ehefrau Gesa stieg mit ins Geschäft ein. In den folgenden 30 Jahren beobachteten die beiden in den links daneben liegenden Geschäftsräumen häufige Betreiberwechsel: Auf die Drogerie Arps folgte  Juwelier Kraus, danach eröffnete dort der Dessousladen „Day Dream“. Auf Day Dream folgte die „Dekogarage“, danach Tengeler.

Der Dessousladen „DayDream“ im Jahr 2005. Foto: E.G. Scholz

Als Geber im Jahr 2000 Insolvenz anmelden musste, wurden alle Geber-Niederlassungen abgewickelt. Familie Tengeler entschied sich zur Selbständigkeit. 2002 übernahm Gesa Tengeler die Geschäftsleitung, nun wurde der Laden auch offiziell zum Familienbetrieb. Auf dem Ladenschild war nun „Tengeler Kö22“ zu lesen und das Sortiment von Tabakwaren (Zigaretten, Zigarren, Tabak) wurde um Zeitschriften und Zeitungen erweitert.

2009 entschied Familie Tengeler, die Ladenfläche zu verkleinern und in die kleineren Geschäftsräume nebenan zu ziehen. Diese waren frei geworden, nachdem die Dekogarage auszog. Links und rechts des Eingangs ließen die Tengelers Schaukästen einbauen, um Präsentationsflächen für eine große Auswahl an Zigarren und Zubehör zu schaffen. Seit dem Umzug 2009 wird „Tengeler Tabak & Presse“ in zweiter Generation, vonSohn Nils Tengeler geführt, der in Glückstadt einen weiteren Tabakladen betreibt.

In den aufgegebenen größeren Teil zog zunächst der Handyladen (Allnet-)blue.de, später O2 ein. Nach Eröffnung einer weiteren O2-Filiale in der Königstraße zog O2 wieder aus und die Ladenräume standen längere Zeit leer. 2015 wurden sie mit dem Einzug von „Nails Royal“, zum Ort der Schönheit umgewandelt. Insbesondere unter den Damen, die sich dort seitdem bei der Mani- oder Pediküre entspannen können, ist das Studio für Nagelpflege und Nageldesign äußerst beliebt.

Infos zur Ladenstraße finden Sie auf Seite 2

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