18

Bücher in der Königstraße

Neben einer Buchhandlung betrieb die Familie Groth auch eine eigene Druckerei in der Königstraße 18. Foto: StA Elmshorn

Mehr als 100 Jahre war der Name Groth nicht nur in der Elmshorner Innenstadt bekannt. Als Buchhandlung und -druckerei in der Königstraße 11 gegründet, wechselte der Betrieb mit den Jahren nicht nur den Besitzer, sondern auch mehrfach den Standort. Obwohl das Geschäft bereits 1951 von der Familie Storm gekauft wurde, blieb der Name Groth noch Jahrzehnte eng mit dem gedruckten Wort verbunden. 1977 zog die Buchhandlung aus der Königstraße in den Damm 1 und 1996 auf die gegenüberliegende Straßenseite in das CCE. Seit 2007 gehört das Geschäft zu dem Hamburger Unternehmen Heymann und ist bis heute eine Anlaufstelle für alle Bücherwürmer der Stadt.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Elmshorn vier Buchdruckereien. Bis 1925 stieg ihre Zahl auf acht. Eine davon war jene der Brüder Groth im östlichen Teil der Königstraße (heute Hausnummer 11-13). Nachdem Peter Groth bereits 1878, nur ein Jahr nach Firmengründung, wieder ausstieg, führte Johannes Marxen Groth die Geschäfte als Alleininhaber.

Der Zeitpunkt seiner Firmengründung war vorausschauend gelegt: In der jungen Industriestadt Elmshorn wuchs mit der Bevölkerungszahl auch die Nachfrage an Lehranstalten. Nachdem 1869 die „Höhere Bürgerschule“ (Realschule am Probstenfeld) und 1870 die „Höhere Töchterschule“ eröffneten, wurden 1878 auch die Fleckengemeinden Vormstegen und Klostersande mit ihren Volksschulen eingemeindet. Somit stieg bei den Elmshorner*innen der Bedarf an Lehrmaterial und Schulbüchern.

Nach Groths Tod im Jahr 1885 leitete seine Witwe die Druckerei und Buchhandlung, die 1890 in die Königstraße 18 verlegt wurde. Das weitläufige Grundstück dehnt sich nach hinten bis zum Probstenfeld aus und ermöglichte die Erweiterung um eine angegliederte Buchbinderei. In den Jahren 1902 bis 1908 brachte die Firma J. M. Groth mit dem Elmshorner Tageblatt eine der drei städtischen Tageszeitungen heraus.

Vorne links der Treppenaufstieg zu der Buchhandlung und Druckerei J. M. Groth in der Königstraße 18. Das Präbendenstift rechts wurde 1890 abgebrochen, heute befindet sich an seiner Stelle die Volksbank. Foto: StA Elmshorn

Konrad Struve, Elmshorner Heimatforscher und Museumsgründer, hielt in seinen unzähligen Forschungen zur Stadtgeschichte auch Erinnerungen an die Groth’sche Buchhandlung fest:

„Leider starb der Besitzer Groth sehr früh. Er hinterließ der jungen Witwe zwei unversorgte Kinder und die schwere Aufgabe, der Fortführung des Geschäftes. Sie hat es damals mit ungebrochenem Mut und stiller Tatkraft aufgenommen. Ja – mit Geschick und Erfolg durchgeführt. Die Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung von J. M. Groth blühte auf. Auch die anderen Zweige des Geschäftes florierten unter der tüchtigen Mitarbeit geeigneter Hilfskräfte. Da war im Buchhandel der alte Herr Hessenauer tätig, ein Original, ein stiller ernster Mann. Ältere Elmshorner werden sich des ruhigen wortkargen Mannes erinnern, wie er stehend hinter seinem Schreibpult die Aufträge seiner Kunden notierte. Eine andere Hilfskraft, besonders für die Druckerei und die Buchbinderei, war Herr Jakobsen, eine typische Figur im Leben des alten Elmshorns. Die Seele des Geschäftes blieb aber immer die stets freundliche und unermüdliche Frau Groth selbst.“

(Konrad Struve, um 1957)

In zweiter Generation übernahmen Sohn Theodor und Tochter Margarete (verheiratete Schmutzler) den Betrieb. Da sowohl Theodor Groth als auch Margaretes Mann Theodor Schmutzler früh verstarben, befand sich die Geschäftsführung in den Händen der Frauen der Familie.

Nachdem alle männliche Nachkommen 1939 zum Kriegsdienst eingezogen wurden, entschied sich die Familie Schmutzler zum Verkauf der Druckerei. Die Buchhandlung in der Königstraße 18 bestand weiterhin, wurde bei den Bombenangriffen auf Elmshorn in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1943 jedoch vollkommen zerstört. Infolgedessen nahm Margarete Schmutzlerden Handel vorübergehend in der Marktstraße 7 auf. 1951stellte sie den aus Hamburg stammenden Buchhändler Hans Storm (ein Verwandter des Schriftstellers Theodor Storm), der nach wenigen Monaten die Buchhandlung übernahm.

Als Hans Storm (rechts) die Buchhandlung am 15. Oktober 1951 übernahm, zog die gesamte Familie in die Königstraße 18. Ansicht 1954 der Hofseite, Foto: Privatbesitz
Das Wohnhaus auf dem Gartengrundstück zum Probstenfeld konnte durch eine Verbindungstür (hinten links) vom Büro der Buchhandlung aus betreten werden. 1956, Foto: Privatbesitz

Das 75. Firmenjubiläum konnte die Buchhandlung Groth – ohne große Festlichkeiten und in aller Stille – in der Königstraße 18 begehen. Hier hatte Hans Storm das neu errichtete Haus erstanden, sodass der Buchhandel am 6. November 1952 an alter Wirkungsstätte wieder aufgenommen werden konnte. Gemeinsam mit seiner Frau Wilma sowie den Söhnen Jens und Jörg bewohnte er den ebenerdigen Anbau auf der Gebäuderückseite.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde am selben Ort ein neues Gebäude errichtet. In der mittleren Ladenfläche eröffnete die Buchhandlung Groth unter neuer Leitung. Foto: P. Koopmann, StA Elmshorn
Auch unter der Regie von Hans und Jörg Storm behielt die Buchhandlung den Namen Groth bei. Foto: E.-G. Scholz, Privatbesitz

Das ereignisreiche Jahr 1977 war getrübt durch den Tod Hans Storms im Februar. Als seine Nachfolgerin übernahm Wilma Storm die Leitung der Buchhandlung und beging, gemeinsam mit Sohn Jörg und Schwiegertochter Christel, das Jubiläum anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Firma. Kurze Zeit später übertrug sie ihrem Sohn die Geschäftsinhaberschaft, der nach einer Lehre in Hamburg bereits seit längerem im elterlichen Betrieb tätig war. Im selben Jahr wurde der Umzug von der Königstraße in das Grundstück Damm 1 koordiniert. Die Elmshorner Nachrichten schrieben:

„[I]m Sommer eröffnet die Buchhandelsfamilie im Arfsten-Geschäftszentrum am Damm 1 einen neuen Laden mit verschiedenen Fachbuchabteilungen. Der Grund: Der günstig gelegene Laden in der ‚Kö‘ ist bei gewachsenem Kundenstamm und erweitertem Sortiment zu klein geworden. Am Damm will Jörg Storm mehr Platz für Bücher schaffen.“

Elmshorner Nachrichten, 31. März 1977
Anlässlich des 100 Firmenjubiläums organisierten die Storms ein vielseitiges Veranstaltungsangebot… 1977, Flugblatt: Privatbesitz
… Die Aktion „Preise wie vor hundert Jahren“ lockte viele Elmshornerinnen und Elmshorner in die Königstraße. 1977, Foto: Privatbesitz
Seniorchefin Wilma Storm mit ihren Sohn Jörg und dessen Frau Christel. 1977, Foto: Privatbesitz

Mit dem Umzug wechselte auch Wilma Storm ihren Wohnsitz und lebte bis zu ihrem Tod 1994 in einer Wohnung über den Geschäftsräumen am Damm. Die Buchhandlung J. M. Groth konnte wenige Tage nach der großen Einweihung des City Centers Elmshorn (CCE) im Juli 1977 eröffnen. Räumlich erweiterte sich das Geschäft (heute Jack Wolfskin) enorm und organisierte regelmäßig Lesungen. Nach zehn Jahren vergrößerten die Storms die Ladenfläche durch Anmietung weiterer Flächen im Obergeschoß.

Der Umzug in das neue Geschäft am Damm wurde auch im Schaufenster der Königstraße beworben. Links der Firmeninhaber Jörg Storm, gefolgt von seiner Frau Christel. 1977, Foto: Privatbesitz

Wiederum knappe zehn Jahre später sollte der letzte Umzug der Buchhandlung Groth erfolgen. Am 1. August 1996 eröffnete das Ehepaar Storm ihr Geschäft, wiederum mit einer vergrößerten Verkaufsfläche, auf der gegenüberliegenden Straßenseite im CCE. Zum 1. Januar 2007 übernahm das Hamburger Traditionsunternehmen Heymann die Buchhandlung und lockt mit seinem Angebot bis heute große sowie kleine Bücherfans in die Elmshorner Innenstadt.

Alle zwei Wochen dekorierten die Mitarbeiter*innen der Buchhandlung Groth die Schaufenster neu. Hier Damm 1, anlässlich des Tages der Umwelt. 1980, Foto: Privatbesitz
Scroll to Top