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Die Wiesen vom Wirtshaus „Kopenhagen“

1693 kaufte der Elmshorner Kirchspielvogt Samuel Prätorius ein Bauernhaus – eine frühere Mühle – mitsamt den ausgedehnten Ländereien vom heutigen Holstenplatz bis zur Krückau und über die heutige Bahntrasse hinweg. Die finanziellen Mittel standen ihm durch seine Heirat mit seiner zweiten Frau Felizitas von Münchhausen zur Verfügung. Obwohl am Ortsrand gelegen, war die Lage günstig: der Wedenkamp (heute Königstraße) verlief in einem Knick (heutige Holstenstraße) am Grundstück vorbei und nur der Kirchensteig zum Mühlenkamp – ein Fußweg zur heutigen Mühlenstraße – trennte das große Grundstück in zwei Teile. Prätorius errichtete ein „sehr stattliches großes Wirtshaus“ und erhielt eine Konzession zur „freien Wirtschaft, Brauerei, Wein- und Bierschenke“ im Haus „Kopenhagen“. Die Besitzer wechselten, aber das weitläufige Grundstück blieb bis zum Beginn der Bodenspekulationen im Zuge des Eisenbahnbaus in einer Hand.

Der erste große Bauunternehmer Elmshorns

1842 verkaufte der damalige Besitzer und Gastwirt des Gasthaues „Kopenhagen“ Thies Thormählen „für das im Flecken Elmshorn zu Kaltenweide belegene Wohnhaus und Bauplatz von 4 9/16 Scheffel, 1 Quadrat-Ruthe, 59 Quadrat-Fuß, 50 Quadrat-Zoll Ranzauer Maaße“ an den Maurermeister Peter Twisselmann in Elmshorn. Das verkaufte Gebiet umfasste das Gelände von den Eisenbahngleisen bis zur heutigen Kreuzung Holstenstraße und dem Kirchensteig bis zur Krückau.

Twisselmann teilte das Land in mehrere Grundstücke auf und errichtete in den Folgejahren an der Südseite des ehemaligen Kirchensteigs Wohn- und Geschäftshäuser, unter anderem auch das für die Weinhandlung von Otto Piening in der Königstraße 1, aber auch die Gebäude für die Kreditbank, die Gastwirtschaft von Kelting und das Wohn- und Geschäftshaus für die Färberei Junge.

Der „Verkäufer verpflichtete sich für sich und seine Nachfolger im Besitz, einen Fahrweg von 36 Fuß Breite von der Grenze zur Wiese vom Fußsteige an für beide, seinen und des Käufers Gebrauch, stets frei zu lassen.“ Der öffentliche Fußsteig führte mittels eines schmalen Stegs über den damals noch offenen Horster Graben.

Weinhandlung Otto Piening in der Königstraße 1. Im Keller befand sich die „Gastwirtschaft und Restauration A. Grossmann“. Foto: Vereinigung für Familienkunde

Weinhandlung Otto Piening

Der Kaufmann Otto Piening (1756-1847) kaufte von Twisselmann Haus mit Grund in der Königstraße 1 und richtete hier eine Weinhandlung ein. Sein Sohn Johann Hinrich (1786-1859) und dessen Sohn Otto (1822-1906) führten die Weinhandlung Otto Piening fort.

Der Kaufmann Otto Piening auf der vermutlichen frühesten Daguerreotypie Elmshorns mit seinem Sohn – dem Weinhändler Johann Hinrich – dessen Ehefrau Wilhelmine und fünf Kindern. Auf dem Foto fehlt der Enkelsohn und spätere Geschäftsinhaber Otto, da er zum Aufnahmezeitpunkt bereits eine Lehre absolvierte. Aufnahme um 1846. Foto: Vereinigung für Familienkunde
Der Weinhändler Otto Piening jr. mit zweiter Ehefrau Wilhelmine, geb. Junge. Foto: Vereinigung für Familienkunde

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