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„Salamander Schlüter“ I Auf festen Sohlen durch die Königstraße

Schuhaus Schlüter im Jahr 2005. Foto: E.-G. Scholz.

Was braucht man, um bequem auf dem wechselnden Bodenbelag der Kö zu flanieren? Richtig, gute Schuhe! In Elmshorn und der Königstraße war Schuhwerk für Damen und Herren seit dem 18. Jahrhundert bei Schuhmachern zu haben. Zunächst noch maßangefertigt, wurden Schuhe seit der Industrialisierung fast ausschließlich maschinell hergestellt. Dies führte seit dem 19. Jahrhundert zur Trennung zwischen Herstellung und Verkauf, schließlich zum Aufkommen von Schuhwareneinzelhandelsgeschäften.

Mit der Industrialisierung kamen maschinell hergestellte Schuhe als Massenware auf den Markt und es entstanden Schuhmarken, etwa Salamander. Während ortsansässige Schuhmacher nach Maß anfertigten und eine Auswahl von Standardmodellen anboten, brauchte es für das wachsende Angebot an Fabrikschuhen größere Verkaufsflächen: So entstanden Schuhgeschäfte!

Auch der Gründer des Schuhgeschäfts Salamander-Schlüter war Schuhmacher, hatte Werkstatt und Laden zunächst jedoch nicht in der Königstraße.

Vom Schuhmacherhandwerk zum Schuhgeschäft

Bereits am 31. März 1738, etwas mehr als ein Jahr nach der Erhebung Elmshorns zum Flecken, bekamen die Elmshorner Schuhmacher die Amtsgerechtigkeit erteilt. Um 1840 hatte Elmshorn fast 250 Schuhmachermeister, die 140 Gesellen und über 100 Lehrjungen beschäftigten.

Die Entwicklung des Gewerbes und ihrer Aufgabenbereiche ist eng mit der Industrialisierung und dem Aufkommen von Lederfabriken verknüpft. Die Lederfabriken siedelten sich seit 1866, besonders in den 1870er bis 1890er Jahren, in Elmshorn an. Früher gerbten viele Schuhmacher ihre Leder selbst, nun übernahmen Maschinen diesen Arbeitsschritt.

Im Jahr 1893 gab es in Elmshorn noch 100 Schuhmacher und vier „Schuhmacher-Artikel-Handlungen“. Allein auf die Königstraße entfielen drei Schuhmachermeister und mit Heinrich Witt (Hausnummer 39) und Christian Muhl (Hausnummer 10) sogar zwei „Schuhwaaren-Geschäfte“. Über die Hälfte der Schuhmacher war im Stadtgebiet niedergelassen.

Als Folge der Fabrikproduktion ging die Anzahl an Schuhmacherwerkstätten in Elmshorn innerhalb von weniger als 20 Jahren enorm zurück: 1911 gab es stadtweit nur noch 31 Schuhmacher, 12 von ihnen hatten bereits eigene „Schuhwaren-Handlungen“. Abgesehen von insgesamt 20 Schuhgeschäften hatte Elmshorn zudem eine „Schuhcreme-Fabrik“.

In der Zwischenkriegszeit wuchs der Bedarf an Schuhen wieder an: 1929 sind im Elmshorner Adressbuch 57 Adressen für „Schuhgeschäfte und Schuhmacher“ verzeichnet, die meisten davon waren kleinere Betriebe.

Salamander Schlüter

In der Königstraße gab es 1929 drei Schuhmacher, einer davon mit einer großen Verkaufsfläche: Wilhelm Schlüter & Söhne in der Königstraße 10, der den „Alleinverkauf der Marke SALAMANDER“ inserierte. Schuhmacherbedarf war bei den Gebrüdern Boldt in der Königstraße 59 zu haben.

Bereits 1909 hatte Schuhmacher Wilhelm Schlüter, damals Kaltenweide 71, eine Schuhwarenhandlung mit Werkstatt gegründet. Mitte der 1920er Jahre übernahm er Werkstatt und Ladengeschäft von Christian Muhls Nachfolger, Johannes Muhl in der Königstraße 10. Bereits Muhl schien die Produktionsstätte im Laufe der Jahre massiv vergrößert zu haben, da er im Adressbuch von 1911 als „Schuhwaren-Fabrik“ geführt wird.

Im August 1943 zerstörten die Bombenangriffe auf Elmshorn das Haus Königstraße 10, die Räumlichkeiten von Salamander-Schlüter brannten vollständig aus.

Ein Bild der Zerstörung nach dem Bombenangriff am 3. August 1943 (von rechts nach links): Zu sehen ist der Straßenzug Königstraße mit den Hausnummern 6-8 (Café Schrader), 10 (Salamander), 12-14 (Apotheke Knauer) und die Häuser 16-18. Foto: StA Elmshorn, Fotograf: P. Koopmann

Salamander-Schlüter, so der Chronist Heinrich Hinz, konnte bereits im November 1943 wiedereröffnen. Am 10. August 1948, gerade mal zwei Monate nach der Währungsreform, präsentierte „Salamander-Schlüter“ schließlich ein vollständig renoviertes Ladengeschäft.

Menschenschlangen bei der Wiedereröffnung der Salamander-Filiale am 10. August 1948. Gegen 10 Uhr vormittags sollen bereits tausende Kauflustige anwesend gewesen sein. Ein starkes Polizeiaufgebot regelte die Ordnung. Die Verkaufsleitung ließ numerierte Aufrufmarken ziehen. Foto: StA Elmshorn

Hatte es von Salamander zuvor nur Damen- und Herrenschuhe gegeben, produzierte die Firma ab 1949 auch Kinderschuhe. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg waren Gebrauchsgüter wie Schuhe zunächst noch schwer zu bekommen. Viele gaben ihre Schuhe, teilweise mehrfach, zur Reparatur. Dank des Wirtschaftswunders konnten sich nun viele wieder neue Gebrauchsgüter leisten.

Bis 1951 hatte Familie Schlüter Laden und Werkstatt in der Königstraße parallel geführt. Schließlich gab Wilhelms Sohn, Schuhmacher Walter Schlüter, die dem Schuhgeschäft angegliederte Reparaturwerkstatt auf.

Schuhgeschäfte in der Königstraße

Leider nur am oberen Bildrand zu sehen. In den 1980er Jahren prangte bei Schlüter der Schriftzug „Salamander“ als Leuchtanzeige über dem Eingang, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1984. Foto: StA Elmshorn, Fotograf: C. Volkmann

Schuhgeschäfte in der Königstraße kamen und gingen. In den 1930er Jahren hatte sich in der Königstraße 55 das Schuhhaus Mohr niedergelassen, in der Hausnummer 24 außerdem das Schuhhaus „Nero“, das beim Bombenangriff im August 1943 ebenso vollständig zerstört wurde.

Einige Häuser weiter eröffnete in den 1940er Jahren das Schuhgeschäft „Elite“, zwei Jahrzehnte später auf der gegenüberliegenden Seite schließlich „Schuh Kay“.

In den 1970er Jahren, als die Discount-Welle auch die Schuhbranche ereilte, bekam die Königstraße eine Deichmann-Filiale.

Salamander Schlüter, das Ladengeschäft mit dem viele Elms-horner*innen noch immer Schuheinkäufe in ihrer Kindheit und Jugend verbinden – vielleicht auch, da sie dort ihr erstes „Lurchi“-Heft in die Hand gedrückt bekamen – blieb bis ins Jahr 2008 in der Königstraße 10. Anschließend zog dort eine s.Oliver-Filiale ein.

Reaktionen auf den bereits in den 1960er Jahren einsetzenden Preiskampf in der Schuhbranche: Bequemlichkeit, ein vielfältiges Sortiment und Qualität.
Werbeanzeigen in den Elmshorner Nachrichten vom 24. und 28. Februar 1967
In den 1950er Jahren waren die Anzeigen noch schlichter gestaltet. Quelle: Heimatadressbuch Landkreis Pinneberg. Sammlung IME
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