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„Salamander Schlüter“ I Auf festen Sohlen durch die Königstraße

Was braucht man, um bequem auf dem wechselnden Bodenbelag der Kö zu flanieren? Richtig, gute Schuhe! Zunächst noch maßangefertigt, wurden Schuhe seit der Industrialisierung fast ausschließlich maschinell hergestellt. Dies führte seit dem 19. Jahrhundert zur Trennung zwischen Herstellung und Verkauf, schließlich zum Aufkommen von Schuhwareneinzelhandelsgeschäften.

Ab 1919 in der Königstraße 10: Das Schuhgeschäft SALAMANDER von Wilhelm Schlüter & Söhne. Hier eine Aufnahme aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. 1943 wurde das Gebäude (siehe Bilder unten) vollständig zerstört. Foto: Privatbesitz

Mit der Industrialisierung kamen maschinell hergestellte Schuhe als Massenware auf den Markt und es entstanden Schuhmarken, etwa Salamander. Während ortsansässige Schuhmacher nach Maß anfertigten und eine Auswahl von Standardmodellen anboten, brauchte es für das wachsende Angebot an Fabrikschuhen größere Verkaufsflächen: So entstanden Schuhgeschäfte!

Auch der Gründer des Schuhgeschäfts Salamander-Schlüter, Johann Wilhelm Schlüter, war Schuhmacher, hatte Werkstatt und Laden zunächst jedoch nicht in der Königstraße.

Vom Schuhmacherhandwerk zum Schuhgeschäft

Bereits am 31. März 1738, etwas mehr als ein Jahr nach der Erhebung Elmshorns zum Flecken, bekamen die Elmshorner Schuhmacher die Amtsgerechtigkeit erteilt. Um 1840 hatte Elmshorn fast 250 Schuhmachermeister, die 140 Gesellen und über 100 Lehrjungen beschäftigten.

Die Entwicklung des Gewerbes und ihrer Aufgabenbereiche ist eng mit der Industrialisierung und dem Aufkommen von Lederfabriken verknüpft. Früher gerbten viele Schuhmacher ihre Leder selbst, nun übernahmen Maschinen diesen Arbeitsschritt.

Im Jahr 1893 gab es in Elmshorn noch 100 Schuhmacher und vier „Schuhmacher-Artikel-Handlungen“. Allein auf die Königstraße entfielen drei Schuhmachermeister und mit Heinrich Witt (Hausnummer 39) und Christian Muhl (Hausnummer 10) sogar zwei „Schuhwaaren-Geschäfte“.

Große Schuhproduktionsbetriebe konnten in Serie günstiger produzieren. Zunächst ging die Anzahl an Schuhmacherwerkstätten in Elmshorn daher innerhalb von weniger als 20 Jahren enorm zurück: 1911 gab es stadtweit nur noch 31 Schuhmacher, wobei zwölf von ihnen bereits eigene „Schuhwaren-Handlungen“ betrieben. Abgesehen von insgesamt 20 – eher kleineren handwerklich geführten – Schuhgeschäften hatte Elmshorn außerdem eine „Schuhcreme-Fabrik“. Viele Schuhmacher verkauften zusätzlich „Fabrikschuhe“.

1929 hatte Elmshorn 57 Schuhgeschäfte und Schuhmacher. Dieser enorme Wiederanstieg kam daher, da viele Schuhmacher nun ins Ausland exportierten, teilweise bis nach Amerika! Schuhmacherbedarf war bei den Gebrüdern Boldt zu haben.

Der Salamander kommt – vom Mühlendamm in die Königstraße

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts hatte der Schuhmacher Johann Wilhelm Schlüter (1870-1935), gemeinsam mit einem Geschäftspartner namens Lorenz am Mühlendamm 12 die Firma „Lorenz Schlüter Schuhwarenhaus & Besohlanstalt“ gegründet.

Das Schuhwarenhaus von Johann Wilhelm Schlüter am Mühlendamm, 1909. Foto: Privatbesitz

Johann Wilhelm Schlüter (1870-1935). Foto: Privatbesitz
Walter Schlüter (1896-1972). Foto: Privatbesitz

Dann machte er sich selbständig und wiederöffnete am selben Ort am 26. April 1909 als Alleininhaber das „Schuhwarenhaus Wilh. Schlüter“.

Neben dem Verkauf bot er Schuhreparaturen an. Zehn Jahre später, 1919, zog er in die Innenstadt, indem er Werkstatt und Schuhgeschäft von Christian Muhls Nachfolger, Johannes Muhl, in der Königstraße 10 übernahm. Schlüter gliederte dort eine Abteilung für Sportschuhe an und Sohn Walter Robert Wilhelm Schlüter (1896-1972), ebenfalls Schuhmacher, stieg als Mitinhaber ins Geschäft ein. 1923 schlossen sie einen Vertrag zum „Alleinverkauf der Marke SALAMANDER“ ab. Nun firmierten sie als „Wilhelm Schlüter & Söhne“.

Von Kornwestheim in die Welt und nach Elmshorn: Die Marke Salamander

Salamander wurde 1885 von Jakob Sigle in Kornwestheim (Baden-Württemberg) gegründet. 1891 tat sich Sigle mit dem Lederverkäufer Max Levi aus Stuttgart zusammen und sie firmierten als „J. Sigle & Cie“. Die bestehende Schuhwerkstatt bauten sie auf vier Etagen aus und meldeten 1904 die Marke „Salamander“ zum Patent an. Mit der Patentanmeldung entstand die erste Wort- und Bildmarke mit dem Salamander.

Abgesehen von sogenannten „Alleinverkäufern“, wie Wilhelm Schlüter & Söhne“, baute Salmander ein Filialsystem auf. 1909 betrieb Salamander bereits 26 eigene Einzelhandelsgeschäfte, 1927 war die Marke schon in 123 Staaten eingetragen. 1930 gründete sich schließlich die Salamander AG. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges verlor Salamander 26% seiner Werkanlagen und büßte die Hälfte seiner Verkaufsstellen ein. [1]

Weitere Infos zu Salamander Schlüter auf Seite 2

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