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Die Ladenstraße

Insbesondere alteingesessenen Elmshorner*innen ist die Bezeichnung „Ladenstraße“ bis heute ein Begriff, reihten sich dort doch ab 1950 viele verschiedene Ladengeschäfte aneinander. Seit der letzte Mieter – Fischladen Möller – 2015 auszog, stehen sämtliche Gewerbeflächen leer. So dient die Ladenstraße seitdem hauptsächlich als Abkürzung für jene, die aus Richtung Schulstraße/Am Probstenfeld auf schnellstem Weg in die Königstraße gelangen wollen.

Die Ladenstraße wird im Elmshorner Straßenverzeichnis geführt, die Geschäfte haben jedoch die offizielle Anschrift Königstraße 22 sowie 22 a-f. Es schien eine Weile gedauert zu haben, bis die zwischen den Häusern Königstraße 20 und 22 abgehende kleine Seitengasse unter den Elmshorner*innen bekannt wurde. Im Neubau von 1950 gab es fünf zur Ladenstraße hin gelegene abgeschlossene Ladeneinheiten mit jeweils separaten Eingängen, die offiziell die Adressen Königstraße 22 a-f trugen. 2019 entschied sich die Stadt für eine neue Aufteilung in die Hausnummern Königstraße 22 a-d. Vorausgegangen war dieser Entscheidung ein Umbau des Hauses: Nachdem der Fischladen Möller 2014 auszog, wurde das gesamte Gebäude saniert. Im Obergeschoss entstanden zwei große Wohnungen. Die Gewerbeflächen e und f gab es nach dem Umbau nicht mehr.

Einzelhandel und Dienstleistungen in der Ladenstraße

Die ersten Ladenmieter in der Ladenstraße ab Anfang der 1950er Jahre waren Elektro Hammann (22a, später: Elektro Kelting), außerdem Uhrmachermeister und Juwelier Otto Hell (22 d, heute Marktstraße 1) und ab 1952 Fischhändler Ernst Reckmann (22 b). Erst allmählich fanden sich für alle Geschäftsräume Mieter.

Anzeige Otto Hell. Elmshorner Adressbuch von 1959

Neben Uhrmacher Hell betrieb Max Kann eine Leihbücherei mit Antiquariat, auch hatte er Schallplatten und Schreibwaren im Angebot. In den 1970er Jahren wandelte Kann seine Leihbücherei schließlich zum „reinen“ Buchhandelsgeschäft um. Seine Räumlichkeiten übernahmen später die Buchhändler H. und P. Hellmann, die in der Königstraße ihr Stammgeschäft hatten. Als die Buchhandlung Hellmann auszog, wurde dort auf Initiative von Boje C. Steffen die Theaterkasse eingerichtet, die später in die Stadtbücherei umzog.

Ab Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er Jahre reihten sich in der Ladenstraße, von links nach rechts gesehen, schließlich folgende Läden aneinander: Gus Gebers Tabakgeschäft – ab 1986 „Collofino“– das eine Schauseite zur Königstraße und Schaufenster zur Ladenstraße hin hatte. Daneben (in der Ladenstraße) lag das Sporthaus Hetze, in dessen Kellerräumen Tennisschläger bespannt wurden. Einer ihrer prominentesten Kunden war der Elmshorner Wimbledon Sieger Michael Stich!

Der Straßenzug Königstraße 22 (rechts) im Jahr 1986. Rechts im Bild das Tabakgeschäft Gus. Geber unter dem Markennamen „Collofino“, einer Tabakmarke der Firma Dannemann (Hamburg). Foto: R. Stahl

Im Haus 24 betrieb die Familie Hetze das Modehaus Hetze. Rechts an das Sporthaus Hetze grenzte seit 1987 Kay Rosenkildes Fischladen – vormals Reckmann – an. Von Reckmann hatte zunächst für einige Jahre der Fischhändler Herbert Lippka übernommen, der sein Geschäft von der Wrangelpromenade in die Ladenstraße verlagerte. Als Juwelier Hell schließlich einen größeren Laden in der Markstraße eröffnete, übernahm Lippka deren Räumlichkeiten. Und auch Kai Rosenkilde erweiterte seinen Fischladen später um einen Imbiss – eine Geschichte, die allerdings schon viel früher begann:

Vom Imbiss zur „Fischbratküche“

Nach 23 Jahren schloss Kay Rosenkilde im November 2010 sein Fischgeschäft mit Bistro. Bis der Fischhändler Olaf Möller die Räumlichkeiten übernahm, mussten die Elmshorner auf ein Fischgeschäft im Zentrum verzichten. Foto: Elmshorner Nachrichten, Fotograf: S. Rohr

Anfang der 1970er Jahre eröffnete Gerhard Piekarek am Ende der Ladenstraße (Königstraße 22 f) einen „Imbiss“, den in den 1980er Jahren Rainer Oed übernahm. Von der Königstraße aus (auf Höhe der Hausnummer 22) machte Oed prominent Werbung für seinen „City-Imbiss“. Doch auch die Mundpropaganda funktionierte buchstäblich bestens: So soll es bei Oed die besten Pommes Frites in ganz Elmshorn und legendäre Eintöpfe gegeben haben!

Nach zehn Jahren Geschäftstätigkeit in der Ladenstraße baute Fischhändler Rosenkilde 1997 seinen Laden erstmals aus. Als Oed sich aus dem Imbissgeschäft zurückzog, nutzte Rosenkilde die Gelegenheit und übernahm die Räumlichkeiten des „City Imbiss“. So gab es seit 2001 neben dem Fischgeschäft auch ein Fisch-Bistro, die inoffiziell bald „Fischbratküche“ genannt wurde.

Nach 23 Jahren in der Ladenstraße gab Rosenkilde im November 2010 Fischgeschäft und Bistro auf. Zunächst standen die Räumlichkeiten leer, dann übernahm Fischhändler Olaf Möller die Räumlichkeiten. 2015 zog Möller wieder aus, ist jedoch zu Marktzeiten mit einem reichhaltigen Fischangebot auf dem Elmshorner Buttermarkt  anzutreffen.

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