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Apotheke seit 1737

Die Wurzeln der „Privilegierten Apotheke“, die der Erteilung eines königlichen Privilegs ihren Namen verdankt, reichen bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Damals wurde die Grafschaft Rantzau von König Christian VI. von Dänemark und Norwegen, Herzog von Schleswig und Holstein (1699-1746) regiert.

Medizinische Versorgung

Nach der Erhebung zum zunftberechtigen Flecken im Jahr 1736 erlebte Elmshorn ganz allmählich einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch gab es vor Ort „bis 1744 keinen ordnungsgemäß geprüften Arzt“. Ärztliche Dienste übernahmen zwei „Chirurgen“ namens Müller und Neßtler und ein „Bruchschneider“ namens Sommerfeldt. Die Chirurgie war damals allerdings noch ein Handwerk, dessen Ausübung studierte Mediziner mit Argwohn betrachteten.

Die ärztliche Versorgungslage in den Grafschaften Rantzau und Pinneberg hatte sich auch im 19. Jahrhundert noch nicht maßgeblich verbessert. 1837 gab es dort nur einen Amtsarzt und „einen ‚Provinzialchirurgen’, der auch die gesamte Armenpraxis zu versehen hatte“. Wesentlich für die Professionalisierung des Gesundheitswesens war – und ist bis heute – die Trennung der Berufe Arzt und Apotheker.

Das Gebäude nach der Renovierung im Jahr 1987, anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Apotheke. In der rechten Haushälfte befand sich zu diesem Zeitpunkt eine „Eduscho“-Filiale. Foto: Dierk Kruse
Die „Behmsche Apotheke“ in der Königstraße 12 wurde 1899 für den Neubau der „Privilegierten Apotheke Dr. W. Knauer“ abgerissen. Links daneben die „Tabak- und Cigarrenfabrik“ von Friedrich Ivens. Foto: Privatbesitz

Von der Konzession zum „Privileg“

Schon in den Jahren 1683 und 1696 hatten in Elmshorn zwei „Medizinkundige“ erfolglos versucht, Apotheken zu gründen. Den nächsten, diesmal erfolgreichen Anlauf machte noch vor 1700 der Physikus der Grafschaft Rantzau, Dr. Johann Balthasar Hermanni. Er gründete eine Apotheke am Wedenkamp, dort wo auch heute noch die „Privilegierte Apotheke“ zu finden ist.

Wann genau Hermanni die Konzession erhielt, ist unbekannt. Doch waren darin bereits „Schutzrechte gegen Konkurrenz [und] Auflagen zum Personal“ aufgeführt. Auch wurden die Untertanen des damaligen Reichsgrafen Christian Detlef „verpflichtet, nur bei ihm ihre Arzneien zu beziehen“. Im Jahr 1700 wurde Hermanni als Stadtphysikus nach Altona – der „damals bedeutendste[n] Stadt Dänemarks außerhalb des unmittelbaren Königreiches“ – berufen und verkaufte daher seine Apotheke an den Apotheker Joachim Matthias Behm. Dieser stellte beim dänischen König einen Antrag auf Konzessionierung seiner Apotheke. Zugleich bat er um die Erteilung des königlichen Privilegs, wollte er doch, dass seine Apotheke die einzige in Elmshorn sei.

Sein Wunsch wurde (allerdings mit Einschränkung) erhört: Am 30.12.1737 erteilte König Christian VI. Joachim Matthias Behm das exklusive königliche Privileg zum Apothekenbetrieb. Jakob Meinecke, der eine Apotheke im Flamweg 10 betrieb, bekam allerdings darin das Recht zugesprochen, „sich [weiterhin] seiner Apotheke zu bedienen“.

Da sowohl Behm als auch Meinecke die erste Adresse am Ort sein wollten, kam es zum Rechtsstreit, der nach einem knappen Jahr buchstäblich in Rauch aufging: die Apotheke von Meinecke brannte 1750 ab und er verließ Elmshorn.

Nach Behm folgten in den nächsten über hundert Jahren sieben weitere Apothekenbetreiber.

Mit Claus Ferdinand Hanssen, der die Konzession am 13.3.1880 erteilt bekam, wurde ein aktiver Kommunalpolitiker Inhaber der Apotheke in der nun umbenannten Königstraße. Hanssen war Stadtrat und Vizebürgermeister, zeitweise sogar Bürgermeister. 1895 verkaufte er die Apotheke an Friedrich Hermann Albers.

Zwar lieferte Albers nur ein kurzes Zwischenspiel, doch hat Elmshorn ihm sehr viel zu verdanken: so entnahm Albers aus den damals 142 Brunnen in Elmshorn Wasserproben, die er im Labor untersuchte. Mit einem erschreckenden Ergebnis, da „nur ein Brunnen unbedenkliches Wasser enthielt“. Da weitere Gutachten den Befund bestätigten, rückte für die Stadt das Thema Hygiene in den Mittelpunkt, woraufhin schließlich das Wasserwerk gebaut wurde.

Der Neubau

Nachdem Dr. Wilhelm Friedrich Georg Knauer 1898 die Apotheke übernommen sowie das Gebäude erworben hatte, ließ er es ein Jahr später abreißen und beauftragte an selber Stelle einen vierstöckigen Neubau.

Das königliche Privileg – das nach Ende der Monarchie allerdings nur noch symbolisch zu verstehen war – nahm Knauer in den Apothekennamen auf: sie hieß jetzt „Privilegierte Apotheke Dr. W. Knauer“. Von dort an blieben Gebäude und Apotheke bis 2009 im Familienbesitz. Allerdings wurde die Apotheke ab Mitte der 1950er Jahre über zwei Jahrzehnte verpachtet.

Die Häuser Königstraße 10-16 nach den Bombenangriffen auf Elmshorn, 1943. Das Nachbargebäude (ehemals „Salamander Schlüter“) war vollständig ausgebrannt. Bei der Apotheke war allem der Dachstuhl massiv von den Zerstörungen betroffen. Foto: Per Koopmann, StA Elmshorn
Der Straßenzug Königstraße 10-16 nach 1948. „Salamander Schlüter“ hatte sich im einstöckigen Neubau eingerichtet (rechts), das „Zigarrenhaus Kurth“ war in das Gebäude der Apotheke mit eingezogen. Statt eines Spitzdaches hatte die Apotheke nun ein weiteres Stockwerk. Foto: StA Elmshorn, Fotograf: Per Koopmann

Das Gebäude

Das Gebäude im Architekturstil der norddeutschen Backsteingotik – eine bis um die Jahrhundertwende in dieser Gegend auch für Amtsgebäude häufig verwendete Form – war 1899 fertig gestellt. Die Formensprache – etwa Friesbänder mit Ornamenten an der Fassade, Säulen und Rundbögen – sorgten für das hochherrschaftliche Erscheinungsbild des Hauses.

Der gleiche Straßenzug im Jahr 2020. Foto: Teja Sauer, Sammlung IME

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 15.3.1940 ging die Inhaberschaft an Wilhelm Friedrich Georg Knauers Sohn, Dr. Wilhelm Knauer junior, über. Auch er ging in die Stadtgeschichte ein, als er den „Magendoktor“ kreierte, eine Spirituose, die als Arzneimittel etwa gegen Völlegefühle nach fettreichem Essen eingesetzt werden konnte.

Im Gegensatz zum vollständig zerstörten Nachbargebäude Königstraße 10, in dem seit 1919 die Familie Schlüter „Salamander-Schuhe“ verkaufte, war das Haus Königstraße 12 vergleichsweise glimpflich durch die Bombenangriffe auf Elmshorn am 2. und 3. August 1943 gekommen. Allerdings war das Dach vollständig zerstört, Scheiben waren geborsten. Das Haus wurde provisorisch hergerichtet.91

Wenige Monate nach der Währungsreform 1948 ging es wieder aufwärts. Das Antlitz des einst repräsentativen Hauses sollte erneuert werden. Im September 1948 wurde die Baufreigabe für die von Wilhelm Knauer in Auftrag gegebene Umgestaltung des Eingangsbereiches erteilt.

„Das Schaufenster wurde heraus- […] und der neue Eingang in die Flucht des vorhandenen Eingangs zurückgenommen. Die untere Eingangsstufe schloss nun mit den Erdgeschosssäulen ab, trat also nicht mehr über die Baufluchtlinie vor“.92

Sturmflut

Vierzehn Jahre nach diesem Umbau waren die gesamte Königstraße und Teile Elmshorns massiv von der großen Sturmflut betroffen. Am 16. und 17. Februar 1962 stand das Wasser in der Apotheke anderthalb Meter hoch. 1987, anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Apotheke, ließ Familie Oertel das damals 88 Jahre alte Gebäude vollständig renovieren; denn die Bausubstanz hatte infolge des Zweiten Weltkrieges, der Sturmflut von 1962 sowie nicht zuletzt durch den natürlichen Verfall so manchen Schaden erlitten.

Gute Stimmung trotz Katastrophe. Die Belegschaft der „Privilegierten Apotheke“ im Angesicht der Elmshorner Flutkatastrophe 1962, in der Mitte der Pächter Franz Rischpler (1955-1973), Foto: Privatbesitz

Mitte der 1950er Jahre zog sich Dr. Wilhelm Knauer jun. aus dem Betrieb zurück, die Apotheke pachtete der Apotheker Franz Rischpler.

Die erste Apothekeninhaberin

Als erste Apothekerin in Elmshorn übernahm Erika Knauer, verheiratete Oertel zum 1.4.1973 die Apotheke als Inhaberin. 1964 machte sie zunächst eine zweijährige Ausbildung in einer Apotheke in Hamburg. Die Ausbildung, die mit einem Vorexamen endete, war Zugangsvoraussetzung für ein Pharmaziestudium. 1966 wurde Erika Knauer schließlich unter Franz Rischpler Mitarbeiterin im damals 15-köpfigen Team. Anderthalb Jahre später nahm sie in Kiel ein Studium der Pharmazie auf.

Das „Offizin“, der Verkaufsraum der Apotheke, im Hintergrund ein Teil der Belegschaft, vorne das Apothekerehepaar Klaus und Erika Oertel, 1987. Foto: Privatbesitz

Bereits 1971 hatte Erika Knauer ihren späteren Ehemann, Klaus Oertel, kennengelernt, der damals Mitarbeiter der Apotheke wurde.94 Seit ihrer Heirat 1977 führten die beiden gemeinsam die Apotheke, wobei sie bis zum Verkauf Inhaberin blieb. 2009 veräußerte Erika Oertel die Apotheke an die Apothekerin Birgit Stark.

Apothekerin – ein Frauenberuf?

In den 1980er Jahren beschäftigten Erika und Klaus Oertel zehn Angestellte, seither hat sich die Zahl der Mitarbeiter*innen mehr als verdoppelt.95 Birgit, Georg und Marten Stark beschäftigen heute an den beiden Standorten Königstraße und Wedenkamp ein 29-köpfiges Mitarbeiter*innen-Team: einen Apotheker, sechs Apothekerinnen, sieben Pharmazeutisch-Technische Angestellte (alle weiblich), sechs Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte (alle weiblich), vier Bürokräfte (alle weiblich) und fünf Mitarbeiter*innen, die Botendienste erledigen.

Das zweite Geschäft

Im Laufe der Jahrhunderte mieteten sich in den rechten Gebäudeteil des Hauses immer wieder verschiedene Ladengeschäfte ein: nach 1948 lange Zeit das „Zigarrenhaus Kurth“, Mitte der 1960er Jahre eine Filiale der Bremer Kaffeerösterei „Eduscho“ und heute eine „mobilcom debitel“-Filiale mit Mobilfunkverträgen, Handys und Handyreparatur.

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