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Die Privilegierte Apotheke in der Königstra0e 12-14 im Jahr 2005. Mittlerweile ist Apothekerin Birgit Stark die Inhaberin. Foto: E.-G. Scholz

Erst seit 1958 ist es Apotheker*innen erlaubt, sich ohne Einschränkung niederzulassen. Im deutschsprachigen Raum galt der Apothekereid seit dem frühen 14. Jahrhundert prinzipiell als Betriebserlaubnis. Dies führte dazu, dass es auch Apotheken gab, die ohne Konzession betrieben wurden. Wer ersuchte, die einzige Apotheke am Ort zu sein, hatte die Möglichkeit, um die Erteilung eines königlichen Privilegs zu bitten. In Elmshorn – wie die Bezeichnung „Privilegierte Apotheke“ in der Königstraße 12 zeigt – mit Erfolg.

Die Wurzeln der „Privilegierten Apotheke“, die der Erteilung eines königlichen Privilegs ihren Namen verdankt, reichen bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Damals wurde die Grafschaft Rantzau von König Christian VI. von Dänemark und Norwegen, Herzog von Schleswig und Holstein (1699-1746) regiert.

Medizinische Versorgung in der Grafschaft Rantzau

Seit 1726 stand Elmshorn, als damals größter Ort des Territoriums der Grafschaft Rantzau, unter dänischer Verwaltung. Zwar erlebte Elmshorn nach der Erhebung zum zunftberechtigen Flecken im Jahr 1736 ganz allmählich einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch gab es vor Ort „bis 1744 keinen ordnungsgemäß geprüften Arzt“. Ärztliche Dienste übernahmen zwei „Chirurgen“ namens Müller und Neßtler und ein „Bruchschneider“ namens Sommerfeldt. Die Chirurgie war damals allerdings noch ein Handwerk, dessen Ausübung studierte Mediziner mit Argwohn betrachteten. Darüber hinaus gab es in Elmshorn bereits zwei Apotheken, von denen später die Rede sein soll.

Die ärztliche Versorgungslage in den Grafschaften Rantzau und Pinneberg hatte sich auch im 19. Jahrhundert noch nicht maßgeblich verbessert. 1837 gab es dort nur einen Amtsarzt und „einen ‚Provinzialchirurgen’, der auch die gesamte Armenpraxis zu versehen hatte“.

Wesentlich für die Professionalisierung des Gesundheitswesens war – und ist bis heute – die Trennung der Berufe Arzt und Apotheker. Erstmals festgelegt wurde sie in der von Friedrich II. (1194-1250) um 1240 für das deutsche Reich erlassenen „Medizinalordnung“, die dazu diente, die „fachgerechte“ Behandlung von Krankheiten auf rechtlichen Boden zu stellen.

Auch die dänische „Medicinal- und Apothekerordnung“ von 1672 sah die Trennung zwischen Arzt und Apotheker vor: Apothekern war zum Beispiel die Verschreibung von Arzneimitteln verboten, diese durften nur auf Rezept rausgeben werden. Auch mussten Apotheker – auch das gilt bis heute – alle Vorgänge akribisch dokumentieren. Nicht zuletzt war es ihnen verboten, Praxen zu betreiben oder Hausbesuche abzustatten.“

Von der einfachen Konzession zum „Privileg“

Die Behmsche Apotheke – Vorläufer der „Privilegierten Apotheke“

Schon in den Jahren 1683 und 1696 hatten in Elmshorn zwei „Medizinkundige“ erfolglos versucht, Apotheken zu gründen. Den nächsten, diesmal erfolgreichen Anlauf, machte noch vor 1700 der Physikus der Grafschaft Rantzau, Dr. Johann Baltharsar Hermanni. Er gründete eine Apotheke am Wedenkamp, ungefähr an jener Stelle, an der 1899 die Privilegierte Apotheke errichtet werden sollte.

Die Behmsche Apotheke am Wedenkamp, vor 1899. An ungefähr selber Stelle wurde nach dem Abriss des Gebäudes 1899 die Privilegierte Apotheke Dr. W. Knauer errichtet. Foto: Privatbesitz

Wann genau Hermanni die Konzession erhielt, geht aus den Quellen leider nicht hervor. Doch waren darin bereits „Schutzrechte gegen Konkurrenz [und] Auflagen zum Personal“ aufgeführt. Auch wurden die Untertanen des damaligen Reichsgrafen Christian Detlef (1669-1721) „verpflichtet, nur bei ihm ihre Arzneien zu beziehen“.

Hermanni blieb wohl nur eine kurze Zeit in Elmshorn. Er wurde 1700 als Stadtphysikus nach Altona – der „damals bedeutendste[n] Stadt Dänemarks außerhalb des unmittelbaren Königreiches“ – berufen und verkaufte daher seine Apotheke an den Apotheker Joachim Matthias Behm. Behm brachte beste Voraussetzung für die Übernahme mit. So hatte er eine ordentliche Apothekerlehre absolviert und acht Jahre als Assistent in der Apotheke seines Bruders in Lauenburg gearbeitet.

Bis Gabriel Brand 1716 im Flamweg 10 eine Apotheke gründete, war Behms Apotheke am Wedenkamp vermutlich die einzige in Elmshorn. 1724 übernahm der Apotheker Jakob Meinecke Brands Apotheke. Als 1737 schließlich ein dritter Apotheker – Georg Caspar Nestler – ein Gesuch zur Apothekengründung einreichte, stellte Behm beim dänischen König einen Antrag auf Konzessionierung seiner Apotheke. Zugleich bat er um die Erteilung des königlichen Privilegs, wollte er doch, dass seine Apotheke die einzige in Elmshorn sei. Sein Wunsch wurde (allerdings mit Einschränkung) erhört: Am 30.12.1737 erteilte König Christian VI. Joachim Matthias Behm das exklusive königliche Privileg zum Apothekenbetrieb. Jakob Meinecke bekam allerdings darin das Recht zugesprochen, „sich [weiterhin] seiner Apotheke zu bedienen“.

Da sowohl Behm als auch Meinecke die erste Adresse am Ort sein wollten, kam es zum Rechtsstreit. Den Streit führten nach Behms (1749) und Meineckes (1746) Tod die Witwen – schließlich Schwiegersohn Johann Theodor Meinecke als Nachfolger, fort. So vertraten Meineckes die Meinung, dass mit Behms Ableben das Privilegienrecht erloschen sei. Tatsächlich gab es seit dem 17. Jahrhundert zwei Arten von Privilegien. Das sogenannte „Personalprivileg“ war „an einen bestimmten Apotheker gebunden“ und verfiel mit dem Tod. Das „Realprivileg“, konnte „unter Auflagen“ vererbt oder veräußert werden.

Dass sich Meinecke weiterhin aus seiner Apotheke bedienen durfte, wurde ihm übrigens buchstäblich zum Verhängnis. So soll er „starken destillierten Getränken sehr zugetan“ gewesen sein. Lange Zeit galt Alkohol, insbesondere Bier, als Nahrungsmittel. Zugleich wurde Alkohol (Bier, Wein und Schnaps) als Arzneimittel angewendet.

Der nach Behms Tod weitergeführte Rechtsstreit ging ein knappes Jahr später buchstäblich im Rauch auf. Die Übertragung des Privilegs auf den Nachfolger ging allerdings problemlos vonstatten: Der nächste Inhaber der „Behmschen Apotheke“, Dr. Ludwig Edzardi, bekam das Privileg am 23.7.1751 erteilt. Er hatte den Rechtsstreit mit Meinecke fortgeführt – bis dessen Apotheke 1750 schließlich abbrannte. Meinecke ließ sich im medizinischen Bereich weiterbilden, verließ Elmshorn und versuchte – wie die Quellen verraten mit vielen Widerständen – sein Glück in Barmstedt.

Von der „Behmschen Apotheke“ zur „Privilegierten Apotheke Dr. W. Knauer“

Auf Ludwig Edzardi, der die Apotheke 35 Jahre betrieb, folgten in den nächsten über hundert Jahren fünf weitere Apothekenbetreiber. Zum 13.7.1786 (Datum des Konzessionsgesuchs) übernahm Edzardis Schwiegersohn, Caspar August Fiedler, die Apotheke. Von ihm erwarb Johannes Gottfried Michaelis, der das Privileg am 7.12.1787 übertragen bekam, die Apotheke. Durch Heirat der Witwe Michaelis bekam schließlich ein Verwandter, Wilhelm Bernhard Segnitz, die Möglichkeit, die Apotheke zum 18.7.1794 zu übernehmen. Auf ihn folgte Georg Dietrich Hinrich Mahn, dessen Konzessionsgesuch am 26.6.1816 angenommen wurde. „In dieser letzten Übertragungsurkunde wurde die jährliche Rekogniationsgebühr auf 12 Reichstaler festgesetzt“, was übrigens eine Besonderheit darstellte: So ist „die Elmshorner Apotheke […] die einzige in den Herzogtümern Schleswig-Holstein und Lauenburg, in deren Privileg eine Rekognitation festgelegt war“.

Mahn betrieb die Apotheke 50 Jahre, auf ihn folgte der Apotheker Wilhelm Schramm, der die Konzession am 24.10.1866 erteilt bekam. Bis dahin hatte sich das Ausbildungs- und Prüfungswesen im Apothekerberuf mehrfach geändert, was auch Konsequenzen im Hinblick auf die Möglichkeit hatte, in einer Kleinstadt wie Elmshorn eine eigene Apotheke zu führen.

Apotheker I. und II. Klasse

Über die Jahrhunderte hinweg gab es immer wieder Änderungen in der Prüfungsordnung des Apothekenwesens. Am 11.2.1854 wurde eine neue Apothekerordnung für das Herzogtum Holstein erlassen. Auch in dieser Ordnung war die Trennung zwischen Arzt und Apotheker zentrales Thema. Außerdem wurde das Ausbildungswesen neu geregelt. Angehende Apotheker mussten nun eine vierjährige Lehrzeit absolvieren und „eine Gehilfenprüfung vor dem Amtsarzt (Physikus) und zwei Apothekern ablegen. Geprüft wurde das Lesen des Pharmakopoe (Arzeibuch), Rezepte lesen, bereiten und taxieren, Darstellungen von chemisch-pharmazeutischen Präparaten, Chemie, Botanik, Drogenkunde und die Kenntnis der Apothekerverordnung“.

Ein weiterer Meilenstein war die Einführung des preußischen Apothekenrechts im Jahr 1866, also im Jahr, als Wilhelm Schramm die Apotheke übernahm. Fortan wurde zwischen Apothekern I. und II. Klasse unterschieden.

Apotheker II. Klasse konnten in Kleinstädten wie Elmshorn unter folgenden Bedingungen eine Apotheke betreiben: Sie mussten fünf Jahre in Ausbildung gehen und anschließend etwa sechs Jahre als Apothekergeselle arbeiten. Ein Studium war nicht nötig, doch mussten sie zum Abschluss ein Examen „vor den provinziellen ,Collegia medica’“ ablegen.

Apotheker I. Klasse mussten nach ihrer Lehrzeit ein Jahr länger als Geselle arbeiten und anschließend „Vorlesungen in Chemie, Botanik, Drogen- und Warenkunde und angewandter pharmazeutischer Chemie (= Darstellung von Präparaten)“ am Berliner „Collegium medico-chirurgicum“ hören. In einigen Provinzen, allerdings nur im Süden, war das Universitätsstudium für Pharmazeuten übrigens bereits 1808 verpflichtend. Erst die reichseinheitliche Ausbildungsverordnung von 1875 machte ein Universitätsstudium verbindlich.

Mit dem nächsten Apothekeninhaber, Claus Ferdinand Hanssen, der die Konzession am 13.3.1880 erteilt bekam, wurde ein aktiver Kommunalpolitiker Inhaber der Apotheke am Wedenkamp. Hanssen war Stadtrat und Vizebürgermeister, zeitweise sogar Bürgermeister. Tatsächlich war es zu jener Zeit durchaus üblich, dass Vertreter der städtischen Honoratiorenschaft – und dazu zählten Ärzte und auch Apotheker – öffentliche Ämter bekleideten. 1895 verkaufte Hanssen die Apotheke an Friedrich Hermann Albers, dessen Konzessionsgesuch zum 30.3.1896 erfolgreich war.

Zwar lieferte Albers nur ein kurzes Zwischenspiel, doch hat Elmshorn ihm sehr viel zu verdanken: so entnahm Albers aus den damals 142 Brunnen in Elmshorn Wasserproben, die er im Labor untersuchte. Mit einem erschreckenden Ergebnis, da „nur ein Brunnen unbedenkliches Wasser enthielt“. Da weitere Gutachten den Befund bestätigten, rückte für die Stadt das Thema Hygiene in den Mittelpunkt, woraufhin schließlich das Wasserwerk gebaut wurde.

Weitere Informationen zur Privilegierten Apotheke finden Sie hier.

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