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Vom Armenhaus zur Volksbank

Der Kreditverein Elmshorn errichtete 1890 dieses stattliche Bankgebäude an der Ecke Königstraße/Holstenstraße.
Foto: StA Elmshorn, Fotograf: Wortmann & Röpke

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte: Ausgerechnet an jener Stelle, an der bis 1890 Elmshorns Armenhaus stand, errichtete 1890 der 1869 gegründete erste Kreditverein für die mittelständische Wirtschaft ein Bankhaus. 1870 bezog der Verein ein Gebäude in der Königstraße. Zwanzig Jahre später wurde der Neubau wiedereröffnet. Hier residierte der Kreditverein, der 1941 schließlich zur Volksbank umfirmierte.

Es ist kein Zufall, dass sich gerade in politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten – und kurz vor der Ernennung Elmshorns zur Stadt – Elmshorns erster genossenschaftlich organisierter Kreditverein gründete. Angelehnt an die Genossenschaftsidee des Volksbank Gründers Hermann Schulze-Delitzsch und auf Anregung des Elmshorners Christian Wagener tat sich 1869 ein Gremium von 13 Elmshorner Bürgern aus allen Berufszweigen zur Gründung eines Kreditvereins zusammen. Dieser gewährte Arbeitern, Angestellten, Landwirten, Handwerkern und kleinen Gewerbetreibenden Kredite.

Zu Beginn war der Kreditverein in der Panjestraße, in der ersten Etage der „Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn“ untergebracht. 1870 kaufte der Verein ein Bankgebäude in der Königstraße. Als es zu klein wurde, erwarb er das Grundstück, auf dem das Präbendenstift – das Elmshorner Armenhaus – stand. Nach dem Abriss entstand dort ein neues, größeres Bankgebäude für den Kreditverein. 72 Jahre lang führte die Genossenschaft diesen Namen, am 27. März 1941 erfolgte schließlich die Benennung in „Volksbank Elmshorn e.G.m.b.H“.

Der Präbendenstift, Elmshorns Armenhaus. Links hinten das alte Gebäude des Holsteinischen Hofes.
Postkarte nach einem Motiv des Malers Heinrich Lange. Leihgabe aus Privatbesitz

Bombenangriffe auf Elmshorn

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1943 fiel das Volksbankgebäude den Bombenangriffen auf Elmshorn zum Opfer – das Gebäude brannte vollständig aus.

Nach dem Bombenangriff auf Elmshorn am 2. und 3. August 1943, im Vordergrund die Ruine der im Bombenhagel zerstörten Volksbank, links das Café Schrader, rechts hinten das vollständig zerstörte Hotel Holsteinischer Hof. Foto: StA Elmshorn, Fotograf: P. Koopmann
Schauseite der im Bombenhagel zerstörten Volksbank, 1943. Foto: StA Elmshorn, Fotograf: P. Koopmann
Rückansicht der Volksbank, Blickrichtung Berliner Straße-Königstraße: Das ausgebrannte Gebäude nach dem Bombenangriff 1943.
Foto: StA Elmshorn, Fotograf

Während die Volksbank im Notbetrieb geführt wurde, begannen im November 1946 die Planungen für einen Neubau auf den Ruinen der Volksbank. Mehrere Elmshorner Architekten reichten Entwürfe ein, als Gewinner ging Dipl.-Ing. W. Thee hervor.

Da in den 1950er Jahren aufgrund der Kriegsverluste allgemeine Knappheit an Baumaterial herrschte, verwarf man Thees ursprüngliche Idee, fünfgeschossig zu bauen. Als Gegenpol zum gegenüberliegenden Gebäude von Elektro Meyn, einigte man sich auf vier Stockwerke. In das Untergeschoss kamen die Schalterhalle und die Büroräume, in die oberen Etagen Wohnungen und Geschäftsräume für Arztpraxen und Versicherungsvertretungen. Tatsächlich zog dort später die Barmer Ersatzkasse ein.

Der 1951 fertig gestellte Neubau der Volksbank Elmshorn. 1972 wurde Richtung Krückau hin angebaut. Foto: StA Elmshorn, Fotograf: P. Koopmann

Mit dem Bau des neuen Gebäudes wurde die Elmshorner Firma Sölter & Kurtzhals beauftragt. In Gemeinschaftsarbeit mit Thees errichtete sie auf den erhalten gebliebenen Mauern der ausgebombten Volksbank einen Ziegelbau, der sich optisch an die alte Volksbank anlehnte. Am 31. März 1951 wurde die neue Volksbank schließlich wieder eröffnet.

Abgesehen von den Tresorräumen waren im Kellerraum unter anderem ein Kohlenkeller und eine Waschküche zu finden. Im Erdgeschoss lagen, jeweils in abgeschlossenen Bereichen, das Direktorenzimmer, eine Telefonzentrale, ein großes Sitzungszimmer und ein kleineres Sprechzimmer, außerdem die Kassenhalle mit Schaltern.

Technische Revolution und Anbau

1969 stellte die Volksbank auf elektronische Datenverarbeitung um. Foto: E.-G. Scholz

In den 1960er Jahren löste die elektronische Datenverarbeitung die Lochkartentechnik ab. Auch in der Bankbranche brachte diese Umstellung einen fundamentalen Wandel mit sich. Die Elmshorner Volksbank passte sich dieser Technisierung an. Im März 1969 stellte die Bank die Buchhaltung auf die elektronische Datenverarbeitung um. Zusätzlich baute sie den Dienstleistungsbereich aus, im Schalterraum entstanden Arbeitsplätze für Kundengespräche.

Eine Aufnahme vom 7.10.1972: Über den Baukran wurden von der Berliner Straße aus Fertigbauteile angeliefert. Foto: E.-G. Scholz

1972 errichtete die Hamburger Baufirma Paul Hammers AG entlang der Berliner Straße einen Anbau, mit dem 1200 qm mehr Nutzfläche geschaffen wurde.

Da auf dem Gelände der Volksbank kein Platz zur Lagerung der Bauteile war, sperrte man am Wochenende des 7./8. Oktober 1972 erstmals die Berliner Straße für den Autoverkehr.

Die Anlieferung der Bauteile in Fertigbauweise erfolgte schließlich mithilfe eines riesigen Baukrans, der seitlich von der Berliner Straße aus anlieferte. Auch wurde ein hölzerner Schutzzaun errichtet, um die PKWs nach Wiederaufnahme des Autoverkehrs auf der Berliner Straße gegen herabfallende Teile zu schützen.

Nach 1951 wurde die Innenausstattung der Volksbank, Schalterraum und Büroräume mehrfach baulich modernisiert. Wie beim ursprünglichen Bankgebäude hatte der Neubau von 1951 den Eingang immer noch zur Königstraße hin. Am Eckgiebel des Hauses, in dem lange Zeit nur ein Fenster war, baute man schließlich die vordere Eingangstür ein. Auch gab es nun einen Hintereingang.

Die Volksbank im Jahr 2005. Im Gebäude von 1890 und im Neubau von 1951 lag der Kundeneingang zur Bank zur Königstraße hin. Um den Eingang prominenter zu machen, öffnete man den zur Berliner Straße/Ecke Königstraße hin liegenden Eckgiebel, um eine Eingangstür einzubauen. Fortan wurde man in einem Foyer empfangen. Die Säulen sind inzwischen wieder verschwunden. Der alte EIngang (hier rechts im Bild) dient nun als Zugang zu Wohnungen und anderen Geschäftsstellen. Foto: E.-G. Scholz
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