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Werbemaßnahmen gegen den Preiskampf in der Schuhbranche. Die Strategie: Tragekomfort, Qualität – und Modelle, denen „frau“ nicht
widerstehen konnte. Elmshorner Nachrichten vom 24. und 28. Februar 1967

Die 1970er bis 1990er Jahre: Geschäftserweiterungen und Filialen in Elmshorn

1972 wurde Herbert Schlüter Alleininhaber. Er regte einen totalen Neubau von Laden und Schaufenstern an. Auch entschied sich die Familie, in Elmshorn mit dem Schuhgeschäft zu expandieren: 1974 eröffnete Schlüter in der Holstenstraße 6 die Filiale „Der SchuhLaden“. Dort wurde die Restware, die aus der vergangenen Saison aus dem Laden in der Königstraße übrig geblieben war, verkauft. Ab 1989/90 wurde die Filiale zur Verkaufsstätte für Schuhe der Firma „Ecco“ umgewandelt. In Schleswig-Holstein gab es das zuvor nur in einer weiteren Stadt.

In der Königstraße konzentrierten Schlüters ihr Sortiment auf Sportschuhe und modische Schuhe. 1974 ließen sie dort einen Fahrstuhl einbauen, über den fortan alle Stockwerke erreicht werden konnten. Bis auf den vierten Stock, in dem weiterhin Familie Herbert Schlüter wohnte, wurde das Haus nun geschäftlich genutzt. Der ganze erste Stock war Sportabteilung, im zweiten Stock befand sich ein Lager, im dritten Büroräume.

1976 übernahm Herbert Schlüter eine Filiale in der Holstenstraße 8, die unter dem Namen des Vorbesitzers „Schlesier Schuhe“, weitergeführt wurde. Die Geschäftsführung übernahm Maria Luise Klaffke, die bei Walter Schlüter in die Lehre gegangen war und seitdem als Mitarbeiterin tätig war. „Schlesier Schuhe“ hatte „Bequem und Einlageschuhe“ im Sortiment, ein Spezialsegment, das aus der Königstraße dorthin ausgelagert wurde.

Ab 1984, pünktlich zum 75. Jubiläum, prangte die charakteristische grüne Salamander-Leuchtanzeige über dem Eingang. Foto: Privatbesitz

1984, zum 75. Jubiläum und auch in den 1990er Jahren wurde die Geschäftsstelle in der Königstraße erneut ausgebaut und mehrfach die Innenausstattung erneuert.

1980 schließlich stieg mit Herbert Schlüters Sohn, Stephan Schlüter (*1958), der Bankkaufmann gelernt hatte, die vierte Generation in den Familienbetrieb ein. Da das Geschäft mit Sportartikeln gut lief, wurde die Verkaufsfläche durch einen Anbau verdoppelt. 1989 übernahm Stephan Schlüter die Geschäftsleitung und führte den Laden bis zur Schließung im Jahr 2008 gemeinsam mit seiner Frau Heike.

Auch expandierte Salamander Schlüter in den 1980er und 1990er Jahren unter ihrem Namen. Von 1985 bis 1992 betrieben sie eine Filiale in Wedel, von 1988 bis 1995 eine weitere in Neumünster.

Schuhgeschäfte in der Königstraße

Schuhgeschäfte in der Königstraße kamen und gingen. Etwa Mitte der 1930er Jahre hatte sich in der Königstraße 55 das Schuhhaus Mohr niedergelassen, in der Hausnummer 24 außerdem das Schuhhaus „Nero“, das – wie Salamander – beim Bombenangriff im August 1943 vollständig zerstört wurde. Ende der 1960er Jahre eröffnete in der Königstraße 23 der Filialist „Schuh Kay“. 1978, als die Discount-Welle auch die Schuhbranche ereilte, bekam die Königstraße eine Deichmann-Filiale.

Salamander-Schlüter – ein Paradies für Kinder

Für viele Elmshorner*innen ist Salamander Schlüter das Schuhgeschäft ihrer Kindheit und Jugend.

Schon früh hatte Salamander Kinderschuhe verkauft, 1949 dann in ihren eigenen Werken Kinderschuhe produziert. Um die Kinder während des Schuhverkaufs der Eltern zu beschäftigen, erfand Salamander 1937 die Comicfigur „Lurchi“, der sie eine eigene Comicreihe widmeten. [2] Im Mittelpunkt der sogenannten „Lurchi-Hefte“, die die Kinder geschenkt bekamen, stehen die Abenteuer des Salamanders Lurchi. Seitdem erschienen zahlreiche Sammelbände mit (teilweise gereimten) Texten und Illustrationen, die von verschiedenen Zeichnern gestaltet sind.

Weil Lurchi, auch unter Sammler*innen, immer noch sehr beliebt ist, werden die Sammelbände – auch Gründe Bände genannt – bis heute nachgedruckt. Ab Mitte der 1960er Jahre gab Salamander zusätzlich Malhefte heraus, außerdem Schallplatten mit Hörspielen. Diese und weitere Geschichten für Kinder waren an der sogenannten „Märchenbar“ bei Salamander Schlüter zu hören. So machte der Schuhverkauf doch Spaß!

Nicht zuletzt diese erlebnisorientierte Annäherung an Kinder als Konsumenten begründete das positive Image von Salamander. Und vermochte eine nachhaltige Kundenbindung zu schaffen.

Trotz der Popularität der Marke Salamander gelang es der Firma nicht, sich gegen Billig-Schuhimporte aus dem Ausland zu behaupten. 2004 meldete die Firma Insolvenz an. Trotz zahlreicher Übernahmen durch große Schuhhandelsunternehmen existiert die Schuhmarke Salamander jedoch bis heute. Die Familie Schlüter, nun unter dem Namen „Schuhhaus Schlüter“, blieb bis 2008 in der Königstraße 10. Anschließend zog dort eine s.Oliver-Filiale ein.

Der „SchuhLaden“ in der Holstenstraße 6 schloss im Jahr 2003. Auch die ehemalige Filiale „SchlesierSchuhe“ ist nicht mehr im Familienbesitz, wird aber seit 1993 unter dem Namen „Schlüters Schuh-Shop“ geführt.

Schuhhaus Schlüter im Jahr 2005. Drei Jahre später gab Stephan Schlüter das Geschäft auf. Foto: E.G. Scholz

[1] https://www.salamander.de/historie (Stand: 27.2.2020).

[2]  Ebd.

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